Stadtgut Blankenfelde (2011)

 

Vom Rittergut zum Modell für nachhaltige Lebensweise

 

Bis zum Jahre 2004 verfiel das ursprünglich aus dem 16. Jahrhundert stammende Stadtgut Blankenfelde immer mehr. Dann begann der Verein StadtGut Blankenfelde mit der Sanierung von Altlasten und anderen Maßnahmen. Er hat sich zum Ziel gesetzt, das Stadtgut zu retten und einer Nutzung zuzuführen, die modellhaft eine nachhaltige Lebensweise ermöglicht und damit zumindest partiell an eine ursprüngliche Nutzung anknüpft. Denk mal an Berlin e.V. würdigt das jahrelange Engagement für den Erhalt und die Neunutzung des Geländes mit der Auszeichnung als "Besonderes Denkmal".

 

 

Die Geschichte des Stadtgutes

 

In den Quellen taucht das „Stadtgut“ erstmals als Rittergut mit Wohnhof und Schäferei im Jahr 1519 auf. Bis ins 19. Jahrhundert wechselt es mehrfach den Besitzer zwischen verschiedenen Adels- und Fabrikantenfamilien, darunter sogar ein preußischer König. 1882 kommt es in den Besitz der Stadt Berlin, und es wird mit der Bewirtschaftung der Rieselfelder begonnen. 1890 werden Herrenhaus und Brennerei zur Heimstätte umgebaut, die bis zum 1. Weltkrieg zur Genesung von Wöchnerinnen und als Lungenheilstätte diente, später dann als Altenheim.

Nach dem 2. Weltkrieg besetzt die Rote Armee das Gut und es wird zum Flüchtlingsheim. Im Jahr 1949 kommt es unter die Verwaltung der DDR, wo es als „Volkseigenes Gut“ der landwirtschaftlichen Produktion und als Ausbildungsstätte für landwirtschaftliche Berufe diente. Von 1995 an stand es leer.

 

 

Die Rettung durch den Verein „StadtGut Blankenfelde“

 

Im Jahr 2002 hatte sich im Nachbarort Lübars aus dem Verein „Natur&Kultur LaSaal-Lübars“ eine Initiative formiert , um das Stadtgut vor dem Verfall zu retten. Vier Jahre dauerten die Verhandlungen mit der Liegenschaftsfonds Berlin , bis das Ensemble erworben werden konnte. Das Grundstück wurde, um es der Bodenspekulation zu entziehen und vor der Zerstückelung zu schützen in das Eigentum der gemeinnützigen „Stiftung Trias“ für Boden, Ökologie und Wohnen übertragen.

Der Verein StadtGut Blankenfelde hat sich folgende Ziele gesetzt:

- Förderung der Denkmalpflege durch Wiederherstellung und Erhalt des denkmalgeschützten Hofensembles.

 

- Förderung von Umwelt, Natur- und Landschaftsschutz durch die Realisierung einer Naturschutzstation in Zusammenarbeit mit dem Naturpark Barnim und als dessen Teil. Durchaus mit Blickwinkel auf den Tourismus

 

- Konzept im Sinne eines ökologischen, nachhaltigen Lebensstils, unter Einbringung vielfältiger Möglichkeiten der Zusammenarbeit im Umwelt-,Natur-, Landschafts-, und Denkmalschutz.

 

- Schaffung von Räumlichkeiten zur Förderung des generationsübergreifenden Wohnens in sozialer Verantwortung und Verantwortung gegenüber Lokalgeschichte, Handwerk und Kunst. Darüber hinaus Förderung von Service-, Gesundheits-, therapeutischer und kultureller Initiativen.

 

 

Realisierung

 

Innerhalb eines städtebaulichen Wettbewerbs wurde mit dem Bezirksamt Pankow, der Unteren Denkmalschutzbehörde, dem Bürgerverein Dorf Blankenfelde und dem Naturpark Barnim eine Rahmenplanung abgestimmt.

Mit dem Konzept der energetischen Sanierung des denkmalgeschützten Ensembles unter Berücksichtigung von Klimaschutz und Energieeffizienz erreichte man den 2. Platz beim Wettbewerb „Energiebalance“ des IFEU-Insituts und des Bundesministeriums für Umwelt und Naturschutz.

Für die Anpflanzung von über 100 Obstbäumen alter Sorten und der Pflege weiterer Obstbäume in der Blankenfelder Feldflur erhielt der Verein den Umweltpreis 2007 des Stadtbezirks Pankow.

Für das Konzept des gemeinschaftlichen ressourcenschonenden Arbeitens, Lebens und Wohnens erhielt das Projekt 2007 den Ikea Preis „Wohnen in der Zukunft“.

Für die Realisierung einer Naturschutz und Tourismus-Station liegt ein Konzept und eine Machbarkeitsstudie vor. Sie soll Informations-, Umweltbildungs- und Pflegestützpunkt für den Naturpark Barnim und Anlaufstelle für Fernwanderwege und Wandertouren werden.

Im Jahr 2008 erhielt das StadtGut Unterstützung von 100 Gärtnerinnen und Gärtnern, die die Renaturierung des nördlichen Zingergrabens, eine öffentlich zugängliche Spiellandschaft, einen Schafstall und eine Stellplatzanlage, sowie einen Barfußpfad realisierten.

In Eigenleistung sorgte der Verein für die Erhaltung alter Bausubstanz, die Beseitigung von Altlasten und die Wiederherstellung der Grundstruktur.

Heute sind der Waldkindergarten Pankow „Die Waldläufer“ und die Freie Naturschule im Stadtgut beheimatet. Es gibt eine Bioimkerei, Gärten im Sinne der „Interkulturellen Gärten“ , eine Schafkoppel mit vom Aussterben bedrohten, heimischen Schafrassen, der „Baumzaubergarten Pankow“ des BUND für Baumspender, Betreuungsstützpunkt zur Integration psychisch erkrankter Menschen von Pinel-Gesellschaft und Kaspar-Hauser-Therapeutikum, und eine Zimmerei. Es findet Sommerkino statt, Veranstaltungen zu Denkmalschutz- und Naturschutz-Themen, Medienworkshops für Schüler und Jugendliche und jährliche Feste.

 

 

Ziele

 

In 27 Wohneinheiten sollen Menschen unterschiedlichen Alters „gemeinsam statt einsam“ miteinander wohnen, und gegebenenfalls auch arbeiten, voneinander und miteinander lernen können.

Geplant ist zudem eine Naturschutz- und Tourismus-Station als „Tor zum Naturpark Barnim“ mit einer Dokumentation der Rieselfelder und der Geschichte der Berliner Stadtgüter, einer Ausstellung über das Modellprojekt für Energie-Effizienz im Denkmal, einem Fahrradverleih und Übernachtungsmöglichkeiten. Auch soll des Gutspark als öffentliche Parkanlage wiederhergestellt werden, sowie traditionelle Handwerksbetriebe und Werkstätten.

Das Landesdenkmalamt und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung unterstützen das Planungskonzept.

 

 

Pressekonferenz im Stadtgut Blankenfelde

Am Freitag, dem 2. September 2011 stellte unser Verein in Kooperation mit dem Verein StadtGut Blankenfelde, der Selbstbau eG und dem Arichtektenbüro das denkmalgeschützte Stadtgut Blankenfelde als "Besonderes Denkmal" vor.

 

Bei der Pressekonferenz anwesend waren die Vorstände des Vereins Stadtgut Blankenfelde Rudolf Freundorfer und Volker Langner, der Geschäftsführer der Selbstbau eG Peter Weber, der Leiter der Sanierungsmaßnahmen W-J. Son (Büro ai3 son&partner) sowie unsere stellvertretende Vorsitzende Dr. Elisabeth Ziemer.  

 

Folgende Fotos wurden uns freundlicherweise von Rudolf Freundorfer zur Verfügung gestellt:

 

 

Die Teilnehmer der Pressekonferenz auf dem Stadtgut Blankenfelde
Von links: Volker Langner, W-J. Son und Dr. Elisabeth Ziemer

Presseinformation (04.01.2012)

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