Flensburger Löwe

Der Flensburger Löwe in Wannsee, um 1880 / The Flensburg Lion at Wannsee, ca. 1880
Blick auf den Bergpark mit dem Flensburger Löwen, um 1892 / View of the Bergpark with the Flensburg Lion, ca. 1892
Umsetzung des Löwen vom Bergpark zum Heckeshorn, 1938 / Moving the Lion from the Bergpark to Heckeshorn, 1938
Der Löwe im Transportkäfig vor der Restaurierung, März 2005 (Metallrestaurierung: Bernd M. Helmich) / The Lion in its transport cage before restoration, March 2005 (metal restoration: Bernd M. Helmich)

Der Flensburger Löwe ist der Zink-Abguss einer Bronzeplastik des dänischen Bildhauers Hermann Wilhelm Bissen (1789-1868). Das Original wurde von den Dänen im Gedenken an den bei Idstedt 1850 errungenen Sieg über die aufständischen Schleswig-Holsteiner auf dem Flensburger Friedhof 1862 aufgestellt. Nach dem Sieg im deutsch-dänischen Krieg bei der Insel Alsen und der Rückgewinnung Flensburgs 1864 wollten aufgebrachte Bürger den als Siegeszeichen der Dänen verhassten Löwen vom Sockel stürzen. Daraufhin veranlasste der preußische Ministerpräsident Otto v. Bismarck dessen geordneten Abbau und Einlagerung in Flensburg. Drei Jahre später kam der Löwe nach Berlin, zunächst ins Zeughaus und ab 1878 auf das Gelände der Lichterfelder Kadettenanstalt. Bei Kriegsende 1945 von den Amerikanern an die Dänen zurückgegeben, stand das Denkmal Jahrzehnte am Zeughaus in Kopenhagen, bevor es 2011 im Bedeutungswandel als Zeichen der Versöhnung wieder nach Flensburg zurückkehrte.

Der Berliner Bankier Wilhelm Conrad (1822-1899) hatte am westlichen Wannseeufer ein Gelände zur Anlage einer Villenkolonie erworben und diese als Ausdruck seiner patriotischen Gesinnung nach der dänischen Insel Alsen benannt. Die dabei auf seine Initiative 1874 angefertigte Zinkguss-Kopie des Flensburger Löwen schmückte als Denkmal am Wannsee zunächst den auf der Höhe gelegenen Bergpark. 1938 wurde es demontiert und an seinen heutigen Standort versetzt; eine Restaurierung unterblieb, so dass sich der Zustand in den Folgejahren weiter verschlechterte.

Dank des Engagements der v.-Hinckeldey-Stiftung Berlin und mit Beteiligung des Landesdenkmalamts Berlin sowie des Bezirksamts Steglitz-Zehlendorf wurden 2005 die Löwen-Plastik und ihr Sockel umfassend restauriert. Auch der das Denkmal umgebende Aussichtsplatz zum Großen Wannsee wurde aufgewertet und bietet nunmehr für dieses Werk der Monumentalbildhauerei des Spätklassizismus einen würdigen Rahmen.

 

Summary

The Flensburg Lion is by Danish sculptor Hermann Wilhelm Bissen (1789–1868) and commemorates the Danish victory over Schleswig-Holstein at the Battle of Idstedt in July 1850.The bronze monument was unveiled in 1862 in Flensburg’s Old Cemetery. In 1864 Denmark was forced to cede Holstein and Schleswig to Prussia, and the lion was brought to Berlin in 1867.

After World War II, in 1945 the Americans returned the lion to the Danes and for decades it stood at the Armoury in Copenhagen. In 2011, as a gesture of peace and reconciliation, Denmark sent the lion back to Flensburg where it stands today.

The Flensburg Lion at Wannsee is a zinc copy made in 1874 for Berlin banker Wilhelm Conrad (1822–1899). Conrad purchased the Wannsee site in 1863 and developed it into an exclusive residential district where the lion stood on higher ground looking out over the Wannsee. In 1938 the monument was moved to Heckeshorn, where it stands today. In 2005 Berlin’s Flensburg Lion and its plinth were completely restored.

Tuilerien-Säule

Parzellierungsplan der Insel Schwanenwerder, um 1900; unten links: Standort der Tuilerien-Säule (Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam)
Geschädigte Reliefplatte mit Schlangen (Absandungen und Fehlstellen) vor der Restaurierung, Mai 2002
Reliefplatte mit Schlangen nach der Restaurierung, 2003 (Restauratorengemeinschaft Der Steinhof)
Fassadendetail des zerstörten Tuilerienschlosses, vor 1883 (aus: Pérouse 2000)
Gesamtansicht der Tuilerien-Säule, April 2002 (Messbildstelle GmbH)

Der Unternehmer Friedrich Wilhelm Wessel (1830-1898) erwarb 1882 die Insel „Cladower Sandwerder“ (ab 1901 „Schwanenwerder“) und begründete die Villenkolonie. Von den Aussichtsplätzen, die Wessel zur Verschönerung der Insel schuf, ist nur der mit der 1884 errichteten Tuileriensäule erhalten geblieben. Ihr Name erinnert an das Königsschloss in Paris, das „Palais des Tuileries“ (1564-1871). Bei den Kommuneaufständen 1871 durch ein Feuer zerstört, wurde die ausgebrannte Ruine des Tuilerienschlosses 1883 teilweise abgebrochen. Brauchbare, bauplastische Fassadenteile gelangten in den Handel und Wessel erwarb elf Kalkstein-Fragmente. Sie wurden mit Klinkern zu einem Monument in Form einer künstlichen Ruine zusammengefügt. Ursprünglich in eine Grünanlage eingebunden, steht die Tuilerien-Säule heute in einer 1923 angelegten Ausbuchtung des Bürgersteigs.

Bei Kriegsende 1945 kam es zu dem Missverständnis, die Säule sei möglicherweise eine preußische Kriegsbeute von 1871 und solle nach Frankreich zurückgeführt werden. Es gelang jedoch, den französischen Militärs zu vermitteln, dass die Fragmente korrekt erworben waren, worauf die Säule auf Schwanenwerder verblieb.

Seit 1956 steht die Tuilerien-Säule unter Denkmalschutz; eine nötige Restaurierung unterblieb, so dass sich ihr baulicher Zustand in den Folgejahren weiter verschlechterte. Dank des Engagements der v.-Hinckeldey-Stiftung Berlin und unter Beteiligung des Landesdenkmalamts Berlin begann 2002 die Restaurierung der Säule. Wiederhergestellt wurden zudem die Platzpflasterung sowie die Sichtbeziehungen: Seit dem Abschluss der Restaurierungsarbeiten im Herbst 2003 öffnet sich vom Platz wieder die attraktive Sicht auf die Havel und das gegenüberliegende Ufer mit dem Grunewald-Turm.

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