Am 20. Juli 2011 fand die Übergabe der restaurierten Grabstätte von Charlotte von Kalb auf dem Friedhof Dreifaltigkeit II an der Kreuzberger Bergmannstraße statt.

 

 

Durch Initiative unseres Kuratoriumsmitglieds Hans-Jürgen Schatz konnten auf dem Friedhof Dreifaltigkeit II an der Kreuzberger Bergmannstraße, die Gräber von vier prominenten Persönlichkeiten, von Charlotte von Kalb, Karl Lachmann, Philipp Marheineke und Heinrich Lommatzsch restauriert werden. Anlässlich einer Konzertlesung von Hans-Jürgen Schatz und Mitgliedern der Berliner Philharmoniker im Schloss Tegel wurden von Denk mal an Berlin e.V. 9000 Euro gesammelt. Weitere finanzielle Zuwendungen für die Sanierung der Grabstätten kamen vom Landesdenkmalamt Berlin, der Evangelischen Landeskirche, dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, dem Ev. Friedhofsverband Stadtmitte, der Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe in Berlin-Brandenburg und einem privaten Spender.

 

Das Grab von Charlotte von Kalb, der berühmten Freundin von Schiller, Hölderlin und Jean Paul, die 1843 im Berliner Stadtschloss verstarb, konnte rechtzeitig zum 250. Geburtstag Kalbs am 25. Juli 2011 fertiggestellt werden. Die Arbeiten an der Grabstätte hat der Architekt Friedrich von Waldthausen mit seinem Berliner Büro Dienstleistung Denkmal ehrenamtlich in enger Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt, vertreten durch Dr. von Krosigk, und der Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe in Berlin – Brandenburg, vertreten durch Frau Gertrud Dailidow-Gock, organisiert und geleitet.

 

Bei der feierlichen Übergabe der restaurierten Grabstätte Charlotte von Kalb an die Öffentlichkeit am 20. Juli sprachen der Staatssekretär für Kulturelle Angelegenheiten André Schmitz, Hans-Jürgen Schatz und der Stellvertretende Landeskonservator des Landes Berlin Dr. Klaus-Henning von Krosigk. Pfarrer Jürgen Quandt sprach für den Friedhofsverband und die Stiftung.

 

Am 20. Oktober fand dann auch die Übergabe der restaurierten Grabstätten von Karl Lachmann, Philipp Marheineke und Heinrich Lommatzsch auf dem Friedhof Dreifaltigkeit II statt.

 

Denk mal an Berlin e.V. dankt Hans-Jürgen Schatz sowie den hochherzigen Spendern und den beteiligten Institutionen, die es möglich gemacht haben, die Grabstätten dieser bedeutenden Persönlichkeiten wieder in einen würdigen Zustand zu versetzen. Der Kostenaufwand betrug insgesamt 40 000 EUR.

Pressespiegel

aus Der Tagesspiegel vom 18.07.2011

 

Die rebellische Muse

 

Charlotte von Kalb inspirierte Schiller, Hölderlin und Herder. Nun wurde ihr Grab in Kreuzberg restauriert

 

Ein Satz, so lieblos wie ein Fallbeil. „Eine Frau, die ein vorzügliches Wesen ist, macht mich nicht glücklich“, hat Friedrich Schiller über sie geschrieben. Charlotte von Kalb, die Dichtermuse, Geliebte und Freundin, war zu selbstbewusst und intelligent für die klugen Männer ihrer Zeit. Die Namen ihrer Freund- und Liebschaften lesen sich wie ein Who is who der deutschen Klassik: Schiller, Hölderlin, Jean Paul, Herder. Auch Goethe, der mit der Frau von Stein eine vergleichbar unmögliche Liaison durchlebt hatte, schätzte sie. Sie selbst verbündete sich in ihrer Weimarer Zeit mit dem alternden Herder eher gegen den kaltblütigen Dichterfürsten.

 

Am 25. Juli jährt sich der Geburtstag Charlotte von Kalbs zum 250. Mal.

 

Für Schiller oder Jean Paul hätte sich Charlotte, eine geborene Freifrau Marschalk von Ostheim aus uraltem fränkischen Adel, sofort von ihrem ungeliebten Mann scheiden lassen. Ihr Instinkt war nicht falsch: Heinrich von Kalb, ein Offizier mit Spekulationssucht, brachte 1804 gemeinsam mit seinem Bruder, der eine Schwester Charlottes geheiratet hatte, das Familienvermögen der Ostheims durch. Er erschoss sich 1806; später auch der älteste Sohn, jener Fritz, den der junge Hölderlin als Hofmeister erzogen hatte. Aus Charlottes ehelichen Fluchtversuchen – beide lange vor der ersten Katastrophe – wurde indes nichts. Schiller wie Jean Paul heirateten, nachdem sie von ihr bestürmt worden waren, intellektuell anspruchslosere Frauen, die stattdessen häuslich und anpassungsfähig waren. „So sind die guten Weiber“, resümiert Jean Paul sein Eheglück kurz nach der Trennung von Charlotte, „die weiblichen Kraftgenies hingegen sind wie wir“.

 

Charlotte von Kalb – im Verständnis ihrer Zeit ein weibliches Kraftgenie, ein „männlicher“ unabhängiger Geist – blieb festgelegt auf die Rolle der Frau, die möglichst lautlos im Hintergrund wirkt. Gelegen hat ihr so etwas nicht. Am Bild der unterforderten, von anderen verehrten, doch nicht wiedergeliebten Frau ließ sich auch posthum nicht mehr viel retuschieren. Ihre Memoiren und die – aus heutiger Sicht eher bescheidenen – eigenen literarischen Erzeugnisse gab erst ihre Tochter Edda heraus. In kaum einer deutschen Literaturgeschichte fehlt sie jedoch: als Muse und für die Zeitgenossen leicht wiedererkennbares Vorbild literarischer Gestalten. Als Autorin hingegen wurde sie schnell und gründlich vergessen.

 

Charlotte von Kalb ist bis heute die bekannteste Unbekannte der deutschen Literaturgeschichte. Eine doppelt tragische Figur, jahrzehntelang ihrer Zeit voraus und schließlich doch vom Leben überholt. 1843 starb sie hochbetagt, völlig verarmt und erblindet in Berlin – vermutlich in einem wenig repräsentativen, von einer mitfühlenden Preußenprinzessin mietfrei zur Verfügung gestellten Zimmer des Königlichen Schlosses. In Berlin liegt sie auch begraben: in Kreuzberg, Bergmannstraße, Dreifaltigkeitsfriedhof II.

 

Am morgigen Mittwoch wird dort ihr restauriertes Grab mit einer Feierstunde der Öffentlichkeit übergeben. Kulturstaatssekretär André Schmitz, der für Berlins Friedhöfe zuständige Stellvertretende Landeskonservator Klaus-Henning von Krosigk, Pfarrer Jürgen Quandt und der Schauspieler Hans-Jürgen Schatz sprechen am Grab, dessen schlichter Liegestein aus rotem Granit gereinigt und neu versetzt worden ist. Strahlend frisch gibt die Inschrift nun wieder jenen schönen Vers preis, der Charlotte von Kalbs kompliziertes Leben zugleich entrückt und vergoldet: „Ich war auch ein Mensch, sagt der Staub! Ich bin auch ein Geist, sagt das All!“

 

Mit Charlotte von Kalbs restaurierter Ruhestätte werden drei weitere, unmittelbar benachbarte Gräber präsentiert. Für insgesamt 40 000 Euro konserviert worden sind auch das Grabdenkmal des Altphilologen Karl Lachmann, das des Theologen Philipp Marheineke (er hielt 1843 den Trauergottesdienst für Charlotte von Kalb) sowie das schöne Säulenmonument von Heinrich Lommatzsch, eines Enkels des Theologen und Mitbegründers der Berliner Humboldt-Universität Friedrich Daniel Schleiermacher.

 

Für die Restaurierung eingesetzt wurden neben öffentlichen Mitteln auch private Spendengelder. Allein 9000 Euro steuerte Hans-Jürgen Schatz bei: Vor zwei Monaten organisierte er zusammen mit Musikern der Berliner Philharmoniker im Schloss Tegel eine exklusive Konzertlesung mit Texten von und über Charlotte von Kalb, deren Einnahmen der Restaurierung zugutekamen. Eine weitere ansehnliche Spende steuerten Nachfahren von Heinrich Lommatzsch bei. Schatz, der sich im Kuratorium des Vereins „Denk mal an Berlin“ engagiert, setzt sich seit Jahren für die Rettung kulturhistorisch bedeutender Berliner Grabstätten ein. 2009 konnte dank seiner Hilfe das Charlotte von Kalb benachbarte Grab von Schleiermacher restauriert werden, im Jahr darauf das des Dichters und Theatermannes August Wilhelm Iffland auf dem Friedhof II der Jerusalems- und Neuen Kirchgemeinde am Mehringdamm.

 

Auch andere Einzelkämpfer oder Vereine wie die Karl-Friedrich-Schinkel-Gesellschaft setzen sich seit Jahren für die kulturhistorisch einmalig dichte, doch akut vom Verfall bedrohte Berliner Sepulkralkultur ein. Das Berliner Landesdenkmalamt hat das bürgerschaftliche Engagement aufgegriffen und im Frühjahr den wunderschönen Katalog „Unter jedem Grabstein eine Weltgeschichte“ veröffentlicht. Für hundert exemplarische Berliner Gräber werden Mäzene wie Schatz gesucht, die uneigennützig eine denkmalgerechte Restaurierung finanzieren.

 

Unter jedem Grabstein eine Weltgeschichte – selbst wenn sie nur, wie im Fall der Charlotte von Kalb, in den Herzen der Beteiligten und, nach der literarischen Verwertung, in den Köpfen der Leser ihren Lauf nahm. Eine Titanide, eine rebellische Riesin, hat der solche Frauen gewiss nicht gewohnte Provinzler Jean Paul sie genannt. Charlotte habe, bekennt er einmal, mehr für seine Bildung getan, „als alle übrigen Weiber zusammen“. Auch Schiller hätte wohl so einen Satz unterschrieben.

 

Jean Paul wie Friedrich Schiller bemächtigten sich dieser emanzipierten Frau durch literarische Entgegnungen: Schiller in Gedichten wie „Freigeisterei der Leidenschaft“, Jean Paul in seinem Hauptwerk, dem Roman „Titan“, wo Charlotte wenig verbrämt als Linda auftritt. „Nicht durch das, was ich war und was ich wirklich geleistet hatte“, schreibt Schiller fünfzehn Jahre nach dem gemeinsamen Mannheimer Liebessommer an sie, „sondern durch das, was ich vielleicht noch werden und leisten konnte, war ich Ihnen wert.“

 

So viel Hellsicht verdient ein wenig Erinnerung.

 

Öffentliche Übergabe der restaurierten Grabstätte von Charlotte von Kalb: 20. Juli, 11 Uhr, Friedhof Dreifaltigkeit II an der Bergmannstraße. Weitere Infos unter: www.berliner-grabmale-retten.de

 

Link zum Artikel auf Der Tagesspiegel:

http://www.tagesspiegel.de/kultur/die-rebellische-muse/4407168.html

 

 

Video-Interview mit Hans-Jürgen Schatz vom 19.07.2011 auf tv.berlin:

http://www.tvbvideo.de/video/iLyROoaf29wy.html

 
Beschreibung von tv.berlin:

Die deutsche Schriftstellerin Charlotte von Kalb hätte am 25. Juli 2011 ihren 250. Geburtstag gefeiert. Im Zuge dieser Feierlichkeit wird ihr restauriertes Grab am 20. Juli 2011 der Öffentlichkeit übergeben. Darüber sprachen wir im Frühcafé-Talk mit dem Schauspieler und Rezitator Hans-Jürgen Schatz, der sich für die Erhaltung der historischen Friedhöfe in Berlin einsetzt.

 
 

aus relevant Best of Media vom 20.07.2011

 

Grab von Schriftstellerin von Kalb restauriert 

 

Das Grab der Schriftstellerin Charlotte von Kalb in Berlin ist rechtzeitig zu ihrem 250. Geburtstag am 25. Juli restauriert worden. Die Adelige war eine Freundin von Schiller, Hölderlin und Jean Paul. Sie starb nach einem bewegten und tragischen Leben 1843 in Berlin.

 

Wie der Verein Denkmal an Berlin mitteilte, wurde ihr Grab auf dem Dreifaltigkeitskirchhof II in Kreuzberg am Mittwoch wieder würdig der Öffentlichkeit übergeben. Die unglücklich verheiratete Kalb hatte 1784 Schiller kennengelernt und in die höhere Gesellschaft eingeführt. Sie starb blind und verarmt in einer Wohnung im Berliner Schloss. Dort hatte sie ihren Roman "Cornelia" und ihre Memoiren diktiert, die erst nach ihrem Tod herauskamen.

 

(APA/dpa)

 

Link zum Artikel auf relevant Best of Media:  

http://relevant.at/kultur/literatur/170763/grab-schriftstellerin-kalb-restauriert.story

 
 
aus Main-Netz vom 23.07.2011

 

Grab von Charlotte von Kalb restauriert 

 

Berlin Das Grab der Schriftstellerin Charlotte von Kalb in Berlin ist zu ihrem 250. Geburtstag restauriert worden. Die Adelige war eine Freundin von Schiller, Hölderlin und Jean Paul. Sie starb nach einem bewegten und tragischen Leben 1843 in Berlin. Wie der Verein Denk mal an Berlin mitteilte, wurde ihr Grab auf dem Dreifaltigkeitskirchhof II in Kreuzberg wieder würdig der Öffentlichkeit übergeben. Die unglücklich verheiratete Kalb hatte 1784 Schiller kennengelernt. 

 

Sie starb blind und verarmt in einem Berliner Schloss. Dort hatte sie ihren Roman »Cornelia« diktiert. dpa

 

Link zum Artikel auf Main-Netz:

http://www.main-netz.de/nachrichten/kultur/-kurz/art11899,1731191

 
 
aus Neues Deutschland vom 28.07.2011

 

Meine Sicht

 

Stückchenweise

 

Klaus Joachim Herrmann über ein schöneres Berlin

 

Mit dem Schinkelplatz ist recht unauffällig in der Mitte Berlins ein weiteres Kleinod entstanden. Die vier Figuren am Denkmal des Namenspatrons haben ihn nur abgerundet und fertiggestellt. Ein Ort mit Anziehungskraft ist an der Friedrichswerderschen Kirche entstanden. Er lädt ungefähr dort zum Verweilen ein, wo Berlin einst begann. Der Platz war mit dem Abriss der im Zweiten Weltkrieg weitgehend ausgebrannten Bauakademie verschwunden. Nun ist er ihrer Wiederkehr voraus. 

 

So wie diesen gibt es viele weitere Orte in einer schöner werdenden Stadt. Auch fernab der Klassiker wie Lustgarten oder Unter den Linden. Just seit ihrem 250. Geburtstag vor wenigen Tagen können sich Besucher des restaurierten Grabes der Schiller- und Hölderlin-Freundin Charlotte von Kalb auf dem Dreifaltigkeitskirchhof II in Kreuzberg erfreuen. Am Uferweg des Wannsees beginnen gerade in diesen Tagen solche Arbeiten am Grabe von Heinrich von Kleist. 

 

Viele derartige Stätten prägen das Antlitz dieser Stadt – seien sie nun groß oder klein, bekannt oder ein Tipp von Eingeweihten für Kenner. Berlin ist ein großes Ganzes und besteht doch auch stückchenweise. So ist die Stadt eben doch weit mehr als der Schauplatz eines anscheinend immer währenden und meist höchst erbitterten ideologischen Streits um den Abriss und den Neubau gewisser symbolkräftiger Bauten.

 

Link zum Artikel auf Neues Deutschland:

www.neues-deutschland.de/artikel/203126.stueckchenweise.html

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