Albrecht von Graefe-Denkmal (2005)

In der Ansprache von Hans Wall, Vorstandsvorsitzender vom Verein Denk mal an Berlin e.V., ist das kulturelle Engagement zu spüren, auch die kleinen Details im Stadtbild zu erhalten und zu pflegen.

Durch die Initiative von Denk mal an Berlin e.V. konnte mit Hilfe der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG), deren Gründungsvater von Graefe ist, und der einschlägigen medizinischen Wirtschaft sowie des Landesdenkmalamtes, des Bezirks Mitte und der Baumschule Lorberg die Sanierung durchgeführt werden.

Im Anschluss an den kleinen Festakt und der feierlichen Enthüllung vor Ort, wurde zu einem Empfang in die Hörsaalruine des Berliner Medizinhistorischen Museums auf dem Gelände der Charité geladen. Der stellvertretende Landeskonservator Herr Dr. Klaus von Krosigk hat in einem anschaulichen Vortrag das Thema „Denkmale im öffentlichen Raum“ erörtert.

Sponsoren

Der Verein Denk mal an Berlin e.V. bedankt sich bei allen Freunden,
Helfern und Förderern!

Besonderer Dank für die finanzielle Unterstützung geht an:

  • DOG Deutsche Opthalmologische Gesellschaft e.V., AOK Berlin, Bausch & Lomb, Acri.Tec, Hoya GmbH, Chibret GmbH
  • Alcon Pharma GmbH, AMO Germany GmbH, Santen GmbH, Technomed GmbH
  • Pharm-Allergan GmbH, Rayner Surgical GmbH, Anteis GmbH, Domilans GmbH, Geuder AG
  • Baumschule Lorberg, Bezirk Mitte von Berlin,Charité - Universitätsmedizin Berlin, Landesdenkmalamt Berlin

Albrecht von Graefe-Denkmal

Die Geschichte des Denkmals

1882 wurde das Denkmal zu Ehren des früh verstorbenen Augenarztes Albrecht von Graefe auf die Initiative der Berliner Medizinischen Gesellschaft mit der finanziellen Unterstützung weltweiter Spender in Berlin Mitte errichtet. Es befindet sich unweit der Charité-Klinik an der Luisenstraße/Schumannstraße in einer angenehmen Umgebung, die von den schönen Backsteingebäuden der Charité und altem Baumbestand geprägt ist.

Das Denkmal wurde von Martin Carl Philipp Gropius (1824-1880) und Heino Schmieden (1835-1913) entworfen, deren Firma Gropius & Schmieden Berlin mit zahlreichen Wohn- und Krankenhäusern in entscheidender Weise architektonisch geprägt hat. Zu ihren bedeutendsten Bauten zählen das Leipziger Gewandhaus, Schloss Biesdorf und vor allem der Martin-Gropius-Bau, als ehemaliges Kunstgewerbemuseum Berlins. Schmieden entwarf 1883 ein weiteres Denkmal für den Chirurgen Robert Wilms, welches sich auf dem Mariannenplatz in Berlin Kreuzberg befindet.

Die überlebensgroße Bronzeplastik sowie die Terrakotta-Relieftafeln schuf der Königsberger Bildhauer Rudolf Leopold Siemering (1835-1905). Siemering studierte an der Berliner Akademie und leitete später das Berliner Rauch-Museum. Mit dem Graefe-Denkmal gelten die Heilige Gertraude auf der Gertraudenbrücke und das Haydn-Mozart-Beethoven-Denkmal im Tiergarten als seine wichtigsten Berliner Bildwerke.
Nach seiner Zerstörung im 2. Weltkrieg wurde das Denkmal wiederhergestellt.

Wer war Albrecht von Graefe?

Friedrich Wilhelm Ernst Albrecht von Graefe (1828-1870) war zu seiner Zeit ein herausragender Augenarzt und Erneuerer der Augenheilkunde gewesen und hatte als erster den Augenspiegel in die Praxis eingeführt, der nur wenige Monate zuvor im Jahre 1850 von Ferdinand von Helmholtz erfunden worden war. Damit war von Graefe einer der ersten, die das Innere des menschlichen Auges untersuchen konnte.

Der Mediziner begründete die Ophthalmologie als selbstständiges Fach und entwickelte viele wichtige Behandlungsmethoden, beispielsweise die des Grünen Stars oder des Glaukoms. Kurz nachdem er von einer mehrjährigen Auslandsbildungsreise nach Berlin zurückkehrte, eröffnete er um 1852 eine Privatklinik, die zur wohl weltweit bedeutendsten Forschungsstätte avancierte. An der Charité übernahm von Graefe, inzwischen Universitätsprofessor, um 1857 die Leitung der ophthalmologischen Abteilung. Eine Vielzahl von Augenkrankheiten, Untersuchungs- und Behandlungsmethoden sind sogar nach ihm benannt: z.B. "Graefe-Fleck", "Graefe-Gleichgewichtsprüfung", "Graefe-Operation", "Graefe-Reflex", "Graefe-Syndrom".

Bei seinen Zeitgenossen galt von Graefe als ein sehr sozialer und idealistischer Mensch, der nach Helmholtz zu den wenigen "Männern, die im Gewühl der auftreibenden Praxis noch große Ideen verfolgen können“; gehörte.

Maßnahmen zur Erhaltung

Obwohl das Albrecht von Graefe Denkmal den Betrachter immer noch mit seiner ausgezeichneten Architektur Schmiedens und Gropius, der ansprechenden Plastik Siemerings und den farbenprächtigen Reliefs begeistert, sind dennoch dringende Renovierungsmaßnahmen notwendig, um das wohl schönste Denkmal eines Arztes in Berlin zu erhalten. Der 100. Todestag des Bildhauers 2005 ist ein perfekter Anlass, das Denkmal in seinem ursprünglichen Glanz der Berliner Öffentlichkeit zu präsentieren

Für die Klärung des Sanierungsbedarfes hat das Büro Dipl.-Ing. Stephan Haan eine Dokumentation und umfassenden Maßnahmenkatalog erstellt.
Um dem Denkmal gerecht zu werden, sollen zu Kugeln geschnittene Formgehölze die innere Pflanzfläche, die von einem dicht geschlossenen Efeuteppich bewachsen wird, beleben, ohne vom Denkmal selbst abzulenken. Die Mosaikpflasterflächen direkt im Bereich des Denkmals sind aufzunehmen und zur optischen Fassung in bogenförmiger Struktur in Anlehnung an die Granitsteineinfassung neu anzulegen.

Da bis auf einige historische Fotos um 1900 keine Relikte des historischen Ziergitters bestehen, wird die Rekonstruktion in stark vereinfachter Form erfolgen. Entsprechend dem historischen Vorbild wird das anthrazitfarbene Schutzgitter durch ein Tiergartenband ergänzt.

Dem Vorsatz folgend, so viel wie möglich zu erhalten, ist das Denkmal selbst durch unterschiedliche Rekonstruktionsmaßnahmen zu konservieren. Unter anderem müssen die Steinflächen und Terrakotta-Relieftafeln von schädlichen Oberflächenverkrustungen gereinigt und konserviert werden. Die zu DDR-Zeiten mit Epoxidharz ausgebesserten Relieftafeln werden lediglich konserviert, da die Rekonstruktion durch Sanieren eher Zerstörungen als eine Wiederherstellung zur Folge hätte. Die einst existierenden Eckpfeiler- und Giebelbekrönungen sollen aus Sandstein wiederhergestellt und aufgesetzt werden.

Die Vergangenheit mit neuen Augen sehen

Die Sanierung des Albert von Graefe-Denkmals

Im Jahre 2004 wurde dem Verein Denk mal an Berlin e.V. durch das Landesdenkmalamt das Albrecht von Graefe-Denkmal als besonders sanierungsbedürftig vorgestellt und eine Förderung des Vorhabens angeregt. Der Verein hat durch sein Engagement die Finanzierung der dringenden Arbeiten mit Hilfe von Sponsoren ermöglicht.

Mit dem Verschwinden der überlebensgroßen Statue im Juli beginnen nun die notwendig gewordenen Sanierungsschritte. Mit der Konzeptionierung und Bauleitung ist das Büro Dipl.-Ing. Stephan Haan betraut.

Die Übergabe des restaurierten Denkmals wird am 27. September 2005 um 11.00 Uhr im Rahmen eines großen internationalen Augenärztekongresses in Berlin erfolgen.

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