Denkmäler - Gedenken an den Krieg
Eine Forschungsreise durch den Kiez
Ein Gemeinschaftsprojekt des Arbeitskreises Berliner Regionalmuseen zum Tag des Offenen Denkmals 2005 in Kooperation mit Denk mal an Berlin e. V.
Zeitraum: Juni bis 11. September 2005
Teilnehmer: Jugendliche der Klassenstufen 6-11
Projektkoordination: Frau Petra Zwaka, Schöneberg Museum/Jugend Museum
Aus Anlass des „Tages des offenen Denkmals“ werden sechs Regionalmuseen in ihren Häusern und vor Ort im Stadtraum museumspädagogische Projekte mit Kindern und Jugendlichen durchführen. Im Mittelpunkt der vielfältigen Aktivitäten steht das Thema „Denkmäler - Gedenken an den Krieg“, methodisch geleitet von den Grundsätzen des forschenden und entdeckenden Lernens und der produkt-orientierten Arbeitsweise. Das Jugendprojekt ist damit eine Fortsetzung der im letzten Jahr begonnenen Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Berliner Regionalmuseen.
Eine Zusammenschau aller Projektbeiträge wurde bereits am 11. September 2005 im Wappensaal des Berliner Rathauses bei der Abschlussveranstaltung für den Tag des offenen Denkmals gezeigt. In erweiterter Form konnten die Ergebnisse des Jugendprojektes vom 6.12.2005 bis 9.1.2006 in der Wandelhalle des Berliner Rathauses besichtigt werden.
Sponsoren
Der Verein Denk mal an Berlin e.V. bedankt sich bei allen Freunden, Helfern und Förderern! Besonderer Dank für die finanzielle Unterstützung geht an:
- Bezirke der teilnehmenden Museen
und den folgenden Fördereinrichtungen:
- Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin
- Kreuzberger Kinderstiftung
- Landeszentrale für politische Bildungsarbeit
Mitte Museum
(Über-)Leben im Bunker
Im heutigen Großbezirk Mitte von Berlin sind zwei Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg erhalten, von denen der Flakbunker am Humboldthain bereits vor einigen Jahren Gegenstand eines lokalhistorischen Vorhabens des Museums war. Aus dieser Zeit existieren – neben technischen Relikten, Lageplänen und Fotografien – auch dokumentierte Interviews mit früheren Flakhelfern und Zivilisten.
Das Mitte Museum wird mit einer Schülergruppe der Max-Planck-Oberschule nun einen Workshop zum Thema "Überleben im Bunker" durchführen. Dabei werden gemeinsam historische Archivalien gesichtet und aufbereitet.
Am Ende des Projektes stehen szenische Lesungen von Zeitzeugenberichten zum (Über)leben im Bunker, kontrastiert mit offiziellen Durchhalteparolen des NS-Radiofunks im Original-Ton.
Museum Neukölln
Trümmerfrauen in der Nachkriegszeit – Gedanken zu einem Denkmal in der Hasenheide
Ausgehend vom Trümmerfrau-Denkmal der Bildhauerin Katharina Szelinski - Singer im Volkspark Hasenheide soll ein Workshop innerhalb einer Projektwoche durchgeführt werden, der sich mit dem Kunstwerk und seiner Funktion im Stadtraum auseinandersetzt. Die Entstehungsgeschichte des Denkmals (Einweihung 1955) sowie die Diskussionen um das Kunstwerks sind im Museum bereits gut dokumentiert. Obgleich die Trümmerfrauen durch Behörden und Presse immer wieder geradezu überschwänglich gelobt wurden, gibt es nur ein einziges Denkmal in Berlin und dieses befindet sich in Neukölln.
Die jugendlichen Workshopteilnehmer/innen werden sich unter Anleitung zweier Pädagogen mit der unmittelbaren Nachkriegszeit in Berlin unter besonderer Berücksichtigung der Kriegsschädenbeseitigung durch die Trümmerfrauen beschäftigen. Die Aufbauarbeit dieser Frauen wird durch statistisches Zahlenmaterial belegt, gemeinsam wird zu den sozialen Begleitumständen (alleinerziehende Mütter /Kriegerwitwen, junge Frauen, Lebensmittelkarten etc.) gearbeitet.
Museumsverbund Pankow
Schönholzer Heide - ein widersprüchlicher Ort der Erinnerung
Im Mittelpunkt steht der Volkspark Schönholzer Heide - ein Ort, dessen historische Bedeutung sich nicht gleich auf den ersten Blick erschließt. Jugendliche begeben sich auf eine historische Spurensuche und recherchieren im Museum und vor Ort die wechselvolle Geschichte dieses widersprüchlichen Ortes und die damit verbundenen biografischen Schicksalen.
Drei inhaltliche Schwerpunkte waren dabei richtungsweisend:
1. Das monumentale Sowjetische Ehrenmal: Nach dem Krieg entstand hier zwischen 1947 und 1949 nach Entwürfen einer sowjetischen Architektengruppe die Anlage eines Soldatenfriedhofes, auf dem die sterblichen Überreste von rund 13.200 Soldaten, darunter auch Frauen, beigesetzt wurden.
2. Die Krieggräberstätte Pankow IV, in südlicher Richtung, an der Hermann-Hesse-Straße gelegen: Aus Platzmangel entstand in der Nähe des eigentlichen Friedhofs inmitten der Parkanlage Schönholzer Heide ein Notbeerdigungsplatz für 352 meist im April/Mai 1945 verstorbene Opfer des Krieges, Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten sowie die Kriegsgräberstätte Pankow VI.
3. Das Gelände des sogenannten "Luna-Lagers“: zwischen dem sowjetischen Ehrenmal und den deutschen Kriegsgräberstätten befand sich bis zum Krieg ein Vergnügungspark – die Attraktion im Nordosten Berlins. Seit 1940 wurden hier ausländische Zwangsarbeiter untergebracht; viele von ihnen mussten bei den Bergmann-Elektrizitätswerken in Wilhelmsruh bis Kriegsende Zwangsarbeit verrichten.
Zum Tag des offenen Denkmals präsentieren SchülerInnen einer 11. Klasse des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums die Ergebnisse ihrer Spurensuche. Darüber hinaus ist die Kennzeichnung und temporäre Ausstellung von Informationstafeln auf dem Gelände geplant.
Heimatmuseum Reinickendorf
Der Hochbunker Wittenauer Straße
SchülerInnen der Grundschule am Fließtal setzen sich gemeinsam mit der Künstlerin Birgit Kammerlohr und der Filmemacherin Barbara Kaspar mit der Geschichte des Bunkers in der Wittenauer Str. 68-70 auseinander. Dabei geht es zunächst um die Erkundung des Ortes und um Fragen, die sich daraus ergeben. Die Kinder haben im Rahmen des Projekts "Tanze Bunker" Gelegenheit, mit Menschen zu sprechen, die hier Schutz gefunden hatten. Zeitzeugen, die den Bunker aus persönlichen Erfahrungen kennen, werden in die Projektarbeit miteinbezogen.
Als Ergebnis des Workshops werden ein Film und eine Ausstellung mit Fotografien, Fundstücken und Collagen zum Tag des offenen Denkmals vor Ort am Bunker gezeigt.
Schöneberg Museum/Jugend Museum
Open-Air-Ausstellung zum Großbelastungskörper an der Kolonnenbrücke
Im Mittelpunkt der Jugendgeschichtswerkstatt steht der sogenannte Großbelastungskörper an der General-Pape-Straße, 1941 im Auftrag des Generalbauinspekteurs (GBI) zu Testzwecken errichtet und im Volksmund ‚Pilz’ genannt. Der gewaltige Betonklotz ist eines der wenigen vorhandenen Zeugnisse der größenwahnsinnigen Pläne Adolf Hitlers und seines Architekten Albert Speers für die «Reichshauptstadt Germania». Am Ende der geplanten Nord-Süd-Achse, die sich von Moabit bis nach Tempelhof erstrecken sollte, war ein Triumphbogen geplant, mit gigantischen Ausmaßen. Der Schwerbelastungskörper mit einem Durchmesser von 21 Metern, einer Höhe von14 Metern über und einer Tiefe von 18 Metern unter der Erde sollte die Belastbarkeit des weichen und nachgiebigen Berliner Bodens testen. Beauftragt wurden Ingenieure der Deutschen Forschungsgesellschaft für Bodenmechanik (Degebo), die Bauarbeiten führten französische Kriegesgefangene aus.
Bis in die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts diente der Betonklotz zur Untersuchung des «Setzungsverhaltens des Baugrundes». Mit dem Rückzug der Wissenschaftler aus dem Pilz verwilderte das Gelände. Die zukünftige Nutzung des Objektes und des umliegenden Geländes steht nun zur Disposition. Der Vorschlag eines Alpenvereins, den Betonklotz als Kletterwand zu nutzen scheiterte ebenso wie die Idee, auf dem Dach des Pilzes ein Café zu eröffnen. Seit April 1995 steht der Betonklotz unter Denkmalschutz.
Zum Tag des offenen Denkmals untersuchen Jugendliche der 10. Klasse der Hugo-Gaudig-Oberschule die Geschichte des Ortes und entwickeln Perspektiven für eine zukünftige Nutzung des Großbelastungskörpers. Die Ergebnisse werden in einer Open-Air-Ausstellung gezeigt. Dauer der Ausstellung: 10.-30. September.
Stadtgeschichtliches Museum Spandau/ Jugendgeschichtswerkstatt/ Kunstbastion
Denkmäler für Krieg und Frieden in Spandau
Das Denkmal für die Gefallenen von 1813-1815 am Reformationsplatz, das Denkmal für die Gefallenen der Siemenswerke am Rohrdamm oder das sogenannte „Russendenkmal“, das an die im Zweiten Weltkrieg gefallenen sowjetischen Soldaten erinnert, sind Beispiele für Kriegerdenkmäler in Spandau. Sie dokumentieren den Umgang mit dem Krieg und seinen Opfern in den letzten 200 Jahren.
In einem interdisziplinären Projekt beschäftigen sich Jugendliche mit den unterschiedlichen Formen des Erinnerns im Laufe der Geschichte. SchülerInnen einer Reinickendorfer Schule erforschen die Entstehungsgeschichte und politische Bedeutung von Denk- und Mahnmalen in Spandau; die Kunstbastion erarbeitet zusammen mit SchülerInnen der Lily-Braun Oberschule Spandau Entwürfe für ein „anderes“ Kriegsdenkmal. Im Rahmen des Projektes finden vom 15. bis 20. August Führungen für Kinder zu Spandauer Denkmalen statt.
Die Ergebnisse in Form von Kommentierten Fototafeln mit Entwürfen für ein „anderes“ Kriegsdenkmal werden in einer Ausstellung im Gotischen Haus (repräsentatives mittelalterliches Wohnhaus in der Spandauer Altstadt) vorgestellt.
