Von sakraler Baukunst und Nachkriegsmoderne

Projektbeschreibung

Ein Gemeinschaftsprojekt des Arbeitskreises Berliner Regionalmuseen zum Tag des offenen Denkmals 2007 in Kooperation mit Denk mal an Berlin e. V.

Zeitraum: September 2007
Teilnehmer: Jugendliche der Klassenstufen 4-10
Projektkoordination: Frau Petra Zwaka, Schöneberg
Museum/Jugend Museum
und Anja Bergner, Denk mal an Berlin e.V.

Zum vierten Mal wollen der Verein Denk mal an Berlin e.V. und die Berliner Regionalmuseen die nachwachsende Generation zum Tag des offenen Denkmals an den Kulturgutschutz heranführen. Kinder und Jugendliche aus sechs Bezirken nähern sich mit fachlicher Begleitung künstlerisch oder forschend einem Denkmal. Diese Angebote wurden begeistert angenommen. Als fächerübergreifendes Lernen ohne starren Stundenplan stellen sie nicht nur eine reizvolle Abwechslung zum Schulalltag dar. Neugierig sein zu dürfen, Fragen über Fragen zu stellen und diesen gemeinsam nachzugehen, setzt die Schüler in den Stand, sich Kulturerbe selbständig anzueignen.
In diesem Jahr waren die Vorhaben zwischen dem bundesweiten Überbegriff historische Sakralbauten und dem lokalen Motto Berliner Erbe der Nachkriegszeit angesiedelt.

Besonderes Augenmerk lag wieder auf der Darstellbarkeit der Ergebnisse. Die Arbeitsgruppen erschlossen sie in Ausstellungen und Führungen und machten sie so am Tag des offenen Denkmals der Öffentlichkeit zugänglich.

Eine zentrale Zusammenfassung der Projektergebnisse wurde am 9. September 2007 zum Denkmalsalon, der Abschlussveranstaltung zum Tag des offenen Denkmals, im Berliner Rathaus präsentiert.

Sponsoren

Der Verein Denk mal an Berlin e.V. bedankt sich bei allen Freunden, Helfern und Förderern! Besonderer Dank für die finanzielle Unterstützung geht an:

Bezirke der teilnehmenden Museen:

  • Bezirksmuseum Friedrichshain-Kreuzberg
  • Heimatmuseum Reinickendorf
  • Schöneberg Museum/Jugend Museum
  • Stadtgeschichtliches Museum Spandau
  • sowie senefeld büro für kulturvermittlung
  • Lore Seichter-Murath


Ohne die großzügige finanzielle Unterstützung folgender Einrichtungen wäre das Jugendprojekt nicht durchzuführen.

Kreuzberg Museum

Märchen, Kriege, Revolutionen – Die Geschichte des Volksparks Friedrichshain

Der Volkspark Friedrichshain ist ein Denkmal der Landschafts- und Gartengestaltung. Seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als erste kommunale Parkanlage Berlins mit Spiel- und Liegeweisen, Sportanlagen, Badeteichen, einem Märchenbrunnen und Versammlungsräumen angelegt, erfuhr er in der Nachkriegszeit mehrere Umgestaltungen und neue Bauten, wie ein Freilichttheater, eine Parkbibliothek und zwei Gedenkstätten. Das Bezirksmuseum Friedrichshain-Kreuzberg bot ein pädagogisches Projekt für Schüler der 9. Klassen in Friedrichshain an. Thematisiert wurde der Park, der dem Bezirk seinen Namen gab – der Volkspark Friedrichshain.

Die Schüler bearbeiteten in Workshops folgende Themen: Parkgeschichte, Kunst, Botanik, Sport & Freizeit, nach dem Zweiten Weltkrieg. Aus ihren Arbeiten erstellten sie Schautafeln, die im Park gezeigt wurden. Darüber hinaus entwickelten sie Führungen, die sie selbständig den Besuchern präsentierten. Inhaltliches Projektziel war es, bei jungen Menschen mehr Interesse an und Identifikation mit dem Bezirk und seiner Geschichte zu wecken. Die praktische Seite bestand darin, die Schüler zu befähigen, alle Arbeitsschritte selbständig durchzuführen.

Heimatmuseum Reinickendorf

Kolumbus-Grundschule, Büchsenweg 23 A

Die am nördlichen Rand der Siedlung ”Paddenpuhl” gelegene Grundschule wurde von Sergius Ruegenberg in den Jahren 1968-70 errichtet und besticht durch ihren unkonventionellen Baustil. Die fünfeckigen Klassenräume sind stufenförmig angeordnet und zu zwei- bis dreigeschossigen Baukörpern zusammengefügt, die wabenähnlich Schulklassen nach Jahrgangsstufen zusammenfassen.

Sergius Ruegenberg (1903 bis 1996) war vor allem von zwei Architekten geprägt, von Mies van der Rohe und von Hans Scharoun. In der Kolumbus-Grundschule lässt sich vor allem der auf Scharoun zurückzuführende organische Stil, bei dem sich jede Form aus der anderen entwickelt, nachvollziehen.

Durchgeführt wurde ein Workshop mit Kindern der Kolumbus-Grundschule (6. Klasse), die im Laufe einer Woche (Dauer des Workshops) ihre Schule näher kennen lernten. In Zusammenarbeit mit einer Museumspädagogin und ein bis zwei Lehrerinnen oder Lehrer fotografierten sie den Ort, sie zeichneten und arbeiteten bildnerisch. Die Kinder setzten sich mit dem Architekten auseinander und reflektierten Begriffe wie ”Organisches Bauen”. Zum Tag des offenen Denkmals präsentierten sie eine Ausstellung mit Fotos, Collagen, Zeichnungen und Modellen. Die Kinder erklärten ihre Ausstellung und boten eine kleine Führung durch das Gebäude an.

Stadtgeschichtliches Museum Spandau

Geschichte der kath. Marien-Kirche auf dem Behnitz

Ort und Gegenstand war die katholische Marienkirche auf dem Behnitz, mit deren Geschichte und Kultur sich junge Menschen unter verschiedenen Aspekten auseinandersetzten. Der zeitliche Bogen spannte sich von der Errichtung des Bauwerks in der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur aufwändigen Restaurierung in den vergangenen Jahren. Die Kinder und Jugendlichen verfolgten diese Entwicklung anhand historischen Materials (Darstellungen, Karten, Bauzeichnungen, Fotos). Ihre Ergebnisse präsentierten sie der Öffentlichkeit zum Tag des offenen Denkmals auf einer Schautafel, deren Erstellung am Ende des Projektes stand.

Jugend Museum Schöneberg

Martin-Luther-Gedächtniskirche

Die evangelische Martin-Luther-Gedächtnis-Kirche im Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg, Ortsteil Mariendorf wurde 1933-35 nach einem Entwurf des Architekten Curt Steinberg erbaut. Mit ihrer bis auf wenige Veränderungen erhaltenen Ausstattung ist die Martin-Luther-Gedächtnis-Kirche ein unersetzbares Dokument eines von nationalsozialistischer Ideologie dominierten kirchlichen Kunstprogramms.

Im Jahr 2001 wurden an Fassade und Turm schwere Bauschäden festgestellt, die eine umfangreiche Sanierung notwendig machen. Das Kirchengebäude ist daher zur Zeit eingerüstet.

Das Jugend Museum hat ein Geschichtsprojekt konzipiert, das die Kirche als Ort der Erinnerung und Dokumentation der Situation der evangelischen Kirche in der NS-Zeit in den Blick nahm. Gleichzeitig wurde mit jungen Menschen der heutige Umgang mit dem NS-Erbe thematisiert. Da die Kirche auch daran Interesse hat, ein neues tragfähiges Konzept für das Kirchengebäude zu entwickeln, wurden diese Ausgangsbedingungen zu einem spannenden Projekt.

Im Rahmen einer Projektwoche im Zeitraum 25. 6. –29.6.07 recherchierten die Jugendlichen selbständig zur Geschichte der Kirche, befragten Experten und Passanten nach ihrer Meinung für eine künftige Nutzung des Gebäude und stellten eigene konzeptionelle Überlegungen an. Auf der Grundlage ihrer Ergebnisse erarbeiteten sie für den Tag des offenen Denkmals eine Präsentation vor Ort sowie eine Führung durch die Kirche.

senefeld büro für kulturvermittlung und kulturbewegt e.V. zusammen mit der Stiftung historische Kirchhöfe und Friedhöfe in Berlin und Brandenburg

Friedhofsforscher! Auf dem Georgen-Parochial-Friedhof

Der Georgen-Parochial-Friedhof I (1814 angelegt, Erweiterungen 1832 und 1842) ist alles andere als ein toter Ort: Er ist ein Kulturraum, der Geschichten erzählt vom Leben Einzelner und der Gemeinde. Kinder aus benachbarten Schulen haben sich gemeinsam mit Experten auf die Suche gemacht: Was kann man über die Menschen erfahren, die hier begraben sind? Warum baut man sich ein Mausoleum? Wie arbeitet der Steinmetz heute, was macht ein Bestatter? Am Tag des offenen Denkmals stellten die Friedhofsforscher anderen Kindern vor, was sie über den Friedhof herausgefunden haben.

Lore Seichter-Murath

Friedhof Hermsdorf und Friedhof Friedrichshagen

Die Kinder und Jugendlichen begingen den betreffenden Friedhof gesondert, wurden von der Bildhauerin Sabine Teubner und Lore Seichter-Muráth dabei begleitet und erstellten Arbeiten zum Thema "Formveränderungen an und neben Sakralbauten". Dabei galt es, das Augenmerk im ersten Schritt auf tatsächliche Formveränderungen (z.B. Veränderung der Patina durch Witterungseinflüsse, etc.) zu lenken. Bildnerische Arbeiten wurden erstellt. In einem zweiten Schritt lag der Schwerpunkt neuer bildnerischer und gestalterischer Arbeiten auf der Erkenntnis eines eigenen Bezugs.

Innerhalb des Erlebnisspaziergangs " RosenAscheinGedenken" fanden die von den Kindern und Jugendlichen erstellten Bildnisse und Plastiken ihren Raum zur Betrachtung und Auseinandersetzung. Dabei waren sie nicht nur Requisiten in einer besonderen Umgebung, neben life musizierenden jungen Musikern und Mascha Kalléko/ Peter Hille rezitierenden Schauspielern.

useful tools: Druckansicht Seite weiterempfehlen