Feldforscher

Projektbeschreibung

Ein Gemeinschaftsprojekt des Arbeitskreises Berliner Regionalmuseen zum Tag des offenen Denkmals 2008 in Kooperation mit Denk mal an Berlin e. V.

Zeitraum: September 2008
Teilnehmer: Jugendliche der Klassenstufen 5-12
Projektkoordination:
Petra Zwaka, Schöneberg Museum/Jugend Museum
Anja Bergner, Denk mal an Berlin e.V.

Entsprechend dem Motto zum Tag des offenen Denkmals 2008 "Vergangenheit aufgedeckt - Archäologie und Bauforschung", begaben sich mehr als 100 Schülerinnen und Schüler im Auftrag von acht Berliner Regionalmuseen auf die Suche nach Spuren verborgener und verschwundener Geschichte in ihrem Bezirk. Im Blick : Die Köpenicker Spurensucher entdeckten die archäologische Perspektive ihrer Stadt; eine mittelalterliche Kelleranlage eines ehemaligen Patrizierhauses; ein Gutshof mit Pferde- und Ochsenstall als Teil eines früheren Rittergutes, ein ehemaliges Kasernengelände mit längst vergessenen Geschichten über Ballonfahrer und Eisenbahnregimenter, die Ruine der Franziskaner Klosterkirche, ein Denkmal für Gefallene im Ersten Weltkrieg und zwei Ausgrabungsstätten, verbunden mit der Option selbst Fundstücke zu bergen, sie zeitlich zu bestimmen und sie in den Kontext ihrer einstigen Nutzung zu stellen.

Wie richtige Feldforscher machten die Jugendlichen an Ort und Stelle („im Feld“) ihre Beobachtungen, stellten Untersuchungen an, sammelten systematisch Daten und werteten ihre Ergebnisse aus. Mit dabei waren Profis, die sie auf ihrer Forschungsreise unterstützten: Archäologen und Restauratoren, Historiker und Stadtplaner. Am Ende wurden alle Ergebnisse der Öffentlichkeit durch Ausstellungen und Führungen am Tag des offenen Denkmals präsentiert.

Sponsoren

Der Verein Denk mal an Berlin e.V. bedankt sich bei allen Freunden, Helfern und Förderern! Besonderer Dank für die finanzielle Unterstützung geht an:

Bezirke der teilnehmenden Museen:

  • Bezirksmuseum Friedrichshain-Kreuzberg
  • Heimatmuseum Reinickendorf
  • Kulturprojekte Berlin
  • Museum Neukölln
  • Museumsverbund Pankow
  • Schöneberg Museum/Jugend Museum
  • Stadtgeschichtliches Museum Spandau
  • sowie senefeld büro für kulturvermittlung

Ohne die großzügige Unterstützung folgender Einrichtungen wäre das Jugendprojekt nicht durchzuführen:

Partnerschaften

Folgende Berliner Firmen unterstützen das Jugendprojekt in Form einer konkreten Patenschaft:

  • Restaurierung am Oberbaum GmbH
    www.restaurierung-am-oberbaum.de
    Die Firmengruppe Restaurierung am Oberbaum
    unterstützt das Projekt des Kreuzberg Museums.
  • Bernd M. Helmich
    Schmied - Restaurator i.H. - Bildhauer
    www.metallrestaurierung.de
    Der Schmied, Restaurator i. H. und Bildhauer
    Bernd M. Helmich unterstützt das Projekt der
    Kulturprojekte Berlin GmbH.

Heimatmuseum Reinickendorf

Erforschung und Restaurierung des Denkmals für Gefallene des Ersten Weltkriegs

Das Denkmal wurde von dem Architekten Paul Poser 1922 entworfen, der viele Villen und Reihe von Siedlungen in Frohnau gebaut hat. Es handelt sich um ein Denkmal aus Sandstein, dessen Sockel auf allen vier Seiten beschriftet ist. Auf der Vorderseite ist schlecht leserlich ein Text von Theodor Körner (1791-1813) erhalten, der mit 21 Jahren in den Befreiungskriegen fiel. An den drei anderen Seiten stehen Namen von Frohnauer Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Diese Namen sind nur noch bruchstückhaft erkennbar.
Eine 7. Schulklasse hatte sich eine Woche lang mit diesem Denkmal beschäftigt. In Zusammenarbeit mit einer Restaurierungsfirma und einer Künstlerin säubert und erforschten die Schüler das vermooste und verwitterte Denkmal. Die Schüler fotografierten und arbeiteten künstlerisch vor Ort und in der Schule. Gleichzeitig waren sowohl historische Themen (Erster und Zweiter Weltkrieg) sowie ethische Fragen in Bezug auf Krieg und Gewalt, als auch die Bedeutung von Denkmalpflege ein wichtiger Teil des Projekts. In diesem Zusammenhang wurden Spezialisten, z.B. der für Reinickendorf zuständige Denkmalpfleger aus dem Landesdenkmalamt, eingeladen.
Einige Schüler haben das Denkmal und das Projekt vor Ort vorgestellt. Der andere Teil der Schüler hat in der Projektwoche eine Ausstellung konzipiert, die in der Schule vorgestellt und präsentiert wurde.

Jugend Museum Schöneberg

Jugendliche auf Spurensuche – Militär- und Eisenbahngeschichte im ehemaligen Kasernengelände Papestraße

Im Zusammenhang mit der Vorbereitung des aus 15 Stationen bestehenden „Geschichtsparcours Papestraße“, einem historischen Leitsystem zur Geschichte des denkmalgeschützten Kasernenkomplexes, machten sich Jugendliche an eine Spuren­suche vor Ort. Dabei wurden sichtbare Architekturzeugnisse – z.B. ehemalige Kasernenbauten, Baufragmente der Eisenbahnanlagen – aber auch gänzlich verschwundene Orte und verborgene Spuren wieder sichtbar gemacht.
Das Areal im Bereich der General-Pape-Straße wurde im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert entscheidend durch die Eisenbahn und das preußische Militär geprägt. Bis heute können hier wichtige Entwicklungslinien preußischer und deutscher Geschichte nachvollzogen werden – ob die Geschichte der preußischen Militäreisenbahn und ihr Einsatz in den damaligen Kolonien in Südwestafrika oder die Rolle der Eisenbahnregimenter und Luftschiffer für die Kriegsführung im Ersten Weltkrieg. An der Nordspitze des Geländes erinnert der „Schwerbelastungskörper“ an die größenwahnsinnigen Planungen der NS-Zeit. Im südlichen Bereich zeugt das Gebäude, in dem 1933 das berüchtigte SA-Gefängnis Papestraße unterbracht war, von der menschenverachtenden Politik der NS-Diktatur.

Die Jugendlichen erarbeiteten eine Führung der besonderen Art zu ausgewählten Stationen. Sie präsentierten ihre Ergebnisse vor Ort – gelesen und gesprochen sowie auf temporären Info-Tafeln mit Fotos, Zeichnungen und Kommentaren.

Kreuzberg Museum

Der Geschichte auf den Grund gehen – Schüler gruben nach der Luisenstadtkirche

Nur eine Stele erinnert an die ehemalige Luisenstadtkirche, die einmal in dem kleinen Park zwischen Neue Jakob-, Stallschreiber- und Sebastianstraße stand. Doch die Grundmauern und Kellergewölbe der Kirche ruhen direkt unter den Parkwegen und bergen über 250 Jahre Geschichte: Die Luisenstadtkirche, 1752 erbaut, war die Keimzelle des Stadtteils, der 1802 Stadtrechte und den Namen der Königin Luise bekam. Auf dem 1830 aufgelassenen Friedhof waren Friedemann Bach, Gottlieb Svarez und Friedrich Nicolai beerdigt. Der Kirchpark diente der Gemeinde zu Erholung, bis er 1938 in öffentliches Grün umgewandelt wurde. Die Kirche wurde bei dem Luftangriff am 3. Februar 1945 schwer getroffen und 1964 wegen ihrer Lage im Grenzgebiet abgerissen. Die Kellergewölbe, in denen beim Angriff über sechzig Menschen, vor allem Kinder, ums Leben kamen, wurden mit Trümmerschutt verfüllt.

Mit einer Schülergruppe wurden Anfang September 2008 die Grundmauern des Eingangsbereichs freigelegt - ein erster Schritt zur Öffnung des Bodendenkmals als Mittelpunkt des Parks und des Bauprojektes ‚Wohnen am Luisenstädtischen Kirchpark’ sowie zur Einrichtung einer Gedenkstätte für die Luisenstadt, ihre Kirche und die Toten vom 3. Februar 1945.

Köpenicker Heimatmuseum und die Untere Denkmalschutzbehörde in Zusammenarbeit mit senefeld | büro für kulturvermittlung

Köpenicker Spurensucher

Das Köpenicker Heimatmuseum und die Untere Denkmalschutzbehörde in Zusammenarbeit mit senefeld | büro für kulturvermittlung begleiteten Kinder dabei, ihre Stadt aus einer archäologischen Perspektive zu betrachten. Ziel war es, den Blick für Spuren der Vergangenheit zu schärfen und spielerisch in Methoden historischer Forschung einzuführen.

Ausgehend von ausgewählten historischen Gebäuden (Schloss, Rathaus, Kirche, Seidenmanufaktur, Lohnwäscherei, Andersonsches Palais) erkundeten die Spurensucher Köpenicker Stadtgeschichte(n) an ihren Schauplätzen und lernten nebenbei Institutionen und Menschen kennen, die das Wissen darüber bewahren.
Gemeinsam mit Experten der Köpenicker Stadtgeschichte erarbeiteten die Kinder aus den Forschungen der Projekttage Präsentationen in Form von Aufstellern. Diese standen am Tag des Offenen Denkmals an den jeweiligen Gebäuden und bildeten einen kleinen historischen Köpenick-Parcours für Kinder und Erwachsene.

Kulturprojekte Berlin GmbH

Ruine der Franziskaner-Klosterkirche

Kriegszerstört und ausgebrannt steht die Ruine der Franziskaner-Klosterkirche in Berlin Mitte wie ein Mahnzeichen mitten in der Stadt. Die Schüler wurden angeleitet, die Geschichte des Klosters mit verschiedenartigen Quellen (Texte, Bilder, Akten) zu erschließen. Neben einer Erkundung der materiellen Beschaffenheit des Baus und der Sicherungsmaßnahmen zum Erhalt dieses Denkmals, suchten sie auch nach einer Präsenz von "Feuer" in der architektonischen Konzeption des Gebäudes, z.B. Tabernakelnische. Aus der Auswertung dieser Arbeitsschritte der Schüler durch den Künstler Benno Plassmann, und im Dialog mit den Schülern, ergaben sich dann Symbole, Ikonographien und Texte für Feuer-Kalligrafien, die aus Anlass des Denkmal-Tages in dem Raum der Klosterruine umgesetzt wurden. Die Kurzlebigkeit der Feuerzeichen in der Ruine wurde bewusst in Gegensatz gestellt zu der Langlebigkeit der Steine, des Denkmals.

Am Tag des offenen Denkmals, nach Sonnenuntergang, führten die Schüler unter Anleitung des Künstlers Benno Plassmann eine künstlerische Performance in der Klosterruine in Berlin Mitte auf.

Museum Neukölln

Lernort Denkmal – Der Gutshof Britz

Im Blick war das Denkmalensemble „Gutshof Britz“, mit dem sich Schülerinnen und Schüler eines Britzer Gymnasiums intensiv auseinandersetzen. An der komplexen Anlage aus Gutshaus, Park, Wirtschaftsgebäuden und Patronatskirche lassen sich beispielhaft der Wandel der märkischen Gesellschaft vom 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert nachvollziehen. Im Rahmen des pädagogischen Museumsprojektes erhielten die jungen „Forscherinnen und Forscher“ Rechercheaufträge zu historischen Baumaterialien. Bei ihren Erkundungen wurden sie von einer Archäologin professionell begleitet. Die Forschung am authentischen Ort wurde vertieft durch den Besuch der Ziegelei in Glindow. Dort konnte eine Restauratorin zu ihrer Arbeit befragt und Lehm selbst in Form gebracht werden.

Die Ergebnisse der Untersuchung des Gutshofes wurden am Beispiel der recherchierten Materialien in Form von Fotos, Zeichnungen und Fundbeschreibungen in einer Ausstellung dokumentiert und vor Ort von den Schülern erläutert.

Museumsverbund Pankow

Ausgrabungen in Berlin-Buch

Die Schülerinnen und Schüler eines Pankower Gymnasiums nahmen an den Ausgrabungen in Berlin Buch, Straße „Am Sandhaus“, teil. Unter professioneller Anleitung des Landesdenkmalamtes lernten die Jugendlichen Grabungstechniken kennen, in die Methoden der Grabungsdokumentation eingeführt und fachkundig unterwiesen, eine zeichnerische Dokumentation zu erstellen. Zur Einordnung und Interpretation der Fundstücke setzten sich die Schüler mit Facetten der Vor- und Frühgeschichte des „Dorfes Pankow“ sowie des Mittelalters auseinander. Die praktischen Erfahrungen der „jungen Archäologen“ wurden ausgewertet und am Ausstellungsstandort Heynstraße 8 als Projektergebnis in einer Ausstellung präsentiert.

Stadtgeschichtliches Museum Spandau und Jugendkunstschule Spandau

Erkundung der Kelleranlagen eines ehemaligen Patrizierhauses

Ort und Gegenstand war der Keller eines mittelalterlichen Patrizierhauses aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Mit der Geschichte und den archäologischen Untersuchungen beschäftigten sich Kinder und Jugendliche in verschiedenen Workshops. Das historische Material erarbeiteten sie sich im Archiv des Stadtgeschichtlichen Museums Spandau. Die Ergebnisse (Bilder, Zeichnungen, Fotos, Texte) wurden der Öffentlichkeit vor Ort auf Schautafeln präsentieren. Die Ausstellung war danach im Rahmen von Führungen zu besichtigen. Im Keller waren die verschiedenen historischen Phasen ablesbar. Die Informationstafeln dienten der Entschlüsselung der baulichen Befunde.

useful tools: Druckansicht Seite weiterempfehlen