Grußwort von Frau Prof. Dr. Gesine Schwan
Wer heutzutage offenen Auges durch die Straßen Berlins geht, spürt die Anziehungskraft, die von der Lebendigkeit und Vielfalt seiner facettenreichen Baukultur ausgeht.
In ihr verbindet sich im besonderen Maße der Drang nach Fortschritt und Weltoffenheit mit dem ganzen Reichtum kulturhistorisch wertvoller Bauten, die das Bindeglied zwischen Modernität und Tradition bilden und uns auf dem Weg in die Zukunft einen Blick auf die gemeinsamen Wurzeln unserer Gesellschaft ermöglichen. Wir haben die verantwortungsvolle Aufgabe, die von unseren Vorfahren treuhänderisch in unsere Obhut gegebenen steinernen Zeugen der Vergangenheit für die nächsten Generationen zu pflegen und zu erhalten.
Der Bewusstseinsbildung bei jungen Menschen kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu, denn Bildung ist der Schlüssel zu Verständnis, Wertschätzung und Erhaltung eines jeden Kulturgutes. Gerade in Zeiten leerer öffentlicher Kassen ist diese Aufgabe nicht leicht zu erfüllen. Deshalb freue ich mich ganz besonders über die gemeinsame Initiative des Vereins Denk mal an Berlin e.V. und des Arbeitskreises Berliner Regionalmuseen, die es Kindern und Jugendlichen aus sieben Berliner Stadtbezirken ermöglicht, durch forschende und spielerische Auseinandersetzung mit Denkmalen den Wert ihres eigenen Lebensumfeldes bewusster wahrzunehmen.
Das partnerschaftliche Erarbeiten von Wissen bietet den jungen Menschen Freiräume zum Nachdenken und schafft Identifikationspunkte im doppelten Sinne: Während sie sich ihre gebaute Umwelt erschließen, erkennen sie zugleich, welches Gemeinschaftsgefühl aus diesem Miteinander erwachsen kann. Dies ist ein vorzüglicher pädagogischer Ansatz für ein modernes und solidarisches Bildungswesen, welches über das reine Leistungsprinzip hinaus Vielfalt und Fähigkeiten eines jeden Einzelnen stärkt und fördert.
Das Jugendprojekt „KulturPfade – Kultur in Bewegung“ leistet dazu einen wichtigen und unverzichtbaren Beitrag.
Ich danke den Organisatoren ganz herzlich für ihr Engagement und wünsche den Schülerinnen und Schülern viele eindrucksvolle und erkenntnisreiche Momente.
Ihre
- Kreuzberger Kinderstiftung
www.kreuzberger-kinderstiftung.de
- Jugend- und Familienstiftung Berlin
Stiftung des öffentlichen Rechts
www.jfsb.de
KulturPfade – Kultur in Bewegung
Projektbeschreibung
Ein Gemeinschaftsprojekt des Arbeitskreises Berliner Regionalmuseen zum Tag des offenen Denkmals 2010 in Kooperation mit Denk mal an Berlin e. V. unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Gesine Schwan.
Das Jugendprojekt des Vereins Denk mal an Berlin e.V. ist Bestandteil der bundesweiten Netzwerkcampangie bauTraum.
baut-raum.de/bt/
Zeitraum: September 2010
Teilnehmer: Jugendliche der Klassenstufen 6-12
Mit dem Ziel, die junge Generation schon frühzeitig für die Baukultur zu sensibilisieren, beteiligt sich der Verein Denk mal an Berlin e.V. bereits zum siebten Mal in Folge in Kooperation mit dem Arbeitskreis Berliner Regionalmuseen mit einem eigenen Programm aktiv am Tag des offenen Denkmals 2010.
Unter dem Titel „KulturPfade – Kultur in Bewegung“ sind auch dieses Jahr wieder zahlreiche Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Berliner Bezirken aufgerufen, sich intensiv mit Kulturgütern in ihrem Lebensumfeld auseinander zu setzen. Im Rahmen von Workshops nähern sich die Schüler unter fachlicher Anleitung künstlerisch und forschend den Denkmalen der Technik- und Verkehrsgeschichte.
Um das Jugendprojekt durchführen zu können, möchten wir daher auch Sie aufrufen, das Projekt mit einer Spende zu unterstützen. Große und kleine Beiträge sind uns gleichermaßen willkommen. Wenn Sie sich für das Projekt engagieren möchten, nutzen Sie bitte folgende Bankverbindung:
Kennwort: Spende Jugendarbeit
Konto 104 347 36
BLZ 120 300 00
Deutsche Kreditbank AG
Kurt-Schwitters-Oberschule – Geschichte des ehemaligen Hauptkinderheim von Groß Berlin
Museumsverbund Pankow und Kurt-Schwitters-Gesamtschule
Nach der Zerstörung des Waisenhauses in der Alten Jakobstraße zu Beginn 1945 wurde in den Räumen der bisherigen Cosima-Wagner-Oberschule für Mädchen in der Greifswalder Straße im Bezirk Prenzlauer Berg das Hauptkinderheim (HKH) von Groß-Berlin eingerichtet.
Dem Museumsverbund Pankow wurde vor einiger Zeit aus dem Besitz der damaligen Leiterin des Hauptkinderheimes ein Koffer unter anderem mit Fotos und Briefen der Zöglinge übergeben.
In Vorbereitung des diesjährigen Tages des offenen Denkmals wird sich ein Profilkurs Geschichte Jahrgang 11 der Kurt-Schwitters-Oberschule während einer Projektwoche vom 28. Juni bis zum 2. Juli mit der Geschichte des Hauptkinderheimes in ihrem Schulgebäude beschäftigen, u.a. Quellen auswerten, Interviews führen und anschließend für den diesjährigen Tag des offenen Denkmals am Samstag, dem 11. September die Ergebnisse in öffentlichen Führungen präsentieren.
Kieck mal an in Lichtenberg – Jugend klärt auf über Denkmale und andere Sehenswürdigkeiten zwischen den Reisebahnhöfen
Museum Lichtenberg im Stadthaus
In Kooperation mit Gangway e.V. – Straßensozialarbeit in Berlin und der Gesellschaft für Sport- und Jugendsozialarbeit.
Jugendliche aus dem Victoria- und Weitlingviertel bieten eine spannende Führung durch ihren Kiez an. Ausgangspunkt ist der Bahnhof Lichtenberg mit seiner über 130-jährigen Geschichte in der Nähe der alten Handelsstraße Frankfurter Allee. Von hier aus geht es über die Weitlingstraße mit ihren vielen Geschäften und historischen Wohnhausgruppen in der Nähe, bis hin zur Lückstraße. Hier lebte einst Heinrich Zille und steht das älteste Haus von Lichtenberg, ein Kolonistenhaus von 1789. Erst vor kurzem wurde es vom Zerfall gerettet und bietet den Jugendlichen dieser Führung ein Freizeitdomizil. Hier möchten sie deshalb alle Teilnehmer während einer Besichtigung des baulichen Kleinods in die Vergangenheit entführen. Dann geht es weiter zum Bahnhof Nöldnerplatz, über den es ebenso Wichtiges wie über seinen Vorplatz und die angrenzende Max-Taut-Schule zu berichten gibt. Die Führung endet am alten Rummelsburger Rathaus, um das sich kleine Episoden ranken und in dem heute das Museum Lichtenberg seinen Sitz hat.
Der Auswandererbahnhof in Ruhleben
Stadtgeschichtliches Museum Spandau
Ein Projekt mit der Jugendkunstschule Spandau (KUNSTBASTION)
Geht man heute die Straße mit dem schönen Namen „Freiheit“ entlang, sieht man ein marodes, verlassenes Gebäude, dessen ehemalige Funktion und Bedeutung schwer zu erkennen ist. Nichts deutet darauf hin, dass es sich hierbei um ein späteres (1901) Gebäude des 1882 eingerichteten Auswandererbahnhofs handelt. Täglich brachten Vorortzüge Auswanderer aus Ungarn, Rumänien, aber auch anderen osteuropäischen Ländern nach Spandau, von wo aus sie weiter nach Hamburg oder Bremen befördert wurden.
Darüber zu berichten und über die außergewöhnliche Geschichte der letzten baulichen Reste des ehemaligen Auswandererbahnhofs in Ruhleben zu informieren, ist Ziel des interdisziplinären Jugendprojekts, dessen Ergebnisse in einer Open-Air-Ausstellung zu besichtigen sein werden.
Verkaufspavillon auf dem Gelände des Künstlerhofes Frohnau
Heimatmuseum Reinickendorf
Anlässlich einer Projektwoche zum Tag des offenen Denkmals beschäftigen sich Schüler einer 3. Klasse der Victor-Gollancz-Grundschule Frohnau mit dem denkmalgeschützten Verkaufspavillon auf dem Gelände des Künstlerhofes Frohnau. Die Kinder werden zum einen die Geschichte dieses Denkmals welches eng mit der Gründungsgeschichte der Gartenstadt Frohnau verbunden ist, erkunden. Außerdem bieten die Geschichte der Parzellierung und der Berliner Terrain Centrale sowie die am Gelände entlangführende alte Handelsstraße B96 und die Kulturgeschichte des „Kiosks“ – denn um eine besondere Form eines „Kiosks“ handelte es sich beim alten Gebäude – weitere Anknüpfungspunkte zum diesjährigen Thema „Handel und Verkehr“. Die Ergebnisse ihrer kleinen Recherche werden die Kinder mit künstlerischen und performativen Mitteln bearbeitet und zum Tag des offenen Denkmals an eine interessierte Öffentlichkeit in Form von Führungen und eventuell auch in einer Ausstellung oder Theaterszenen vermittelt.
Die denkmalgeschützte Holzblockhütte, die ursprünglich in der Oranienburger Chaussee Ecke Utestraße stand, wurde um 1909 vom Architekt Paul Poser (1876 - 1940) als Verkaufs- und Auskunftspavillon für die Berliner Terrain Centrale entworfen. Zwischen 1909 und 1934 war Poser einer der meistbeschäftigten Architekten in Frohnau. Der Pavillon wurde 2000 an seinem ursprünglichen Standort abgebaut und 2002 in Zusammenarbeit mit der Landesdenkmalpflege und dem Forstamt durch das Oberstufenzentrum Bau auf das Gelände des nahegelegenen Künstlerhofes Frohnau umgesetzt.
Hier ist es heute zwischen eingeschossigen Fachwerkbauten aus den 1930er Jahren das älteste und zugleich das zuletzt hinzugekommene Gebäude.
Die Carl-Zuckmayer-Brücke am Stadtpark Schöneberg
Jugend Museum Schöneberg
Es gibt Brücken, die sind eigentlich gar keine. So wie die Carl-Zuckmayer-Brücke, die zur Anlage des Rudolph-Wilde-Parks und des 1909-1910 geschaffenen U-Bahnhofs Schöneberg gehört. Als Fußgängerbereich überbrückt sie die Mulde des alten Fenngeländes und der hier überirdisch verlaufenden U-Bahn-Linie, im Jahr 1910 als stadteigene U-Bahn der selbständigen Stadt Schöneberg eingeweiht. Architekt der Brücke war Johann Emil Schaudt, in Berlin vor allem wegen seiner Realisierung des Kaufhaus des Westens bekannt.
Figurengruppen aus Muschelkalkstein schmücken die Balustrade und erzählen von mythischen Zeiten, in der Tritonen, Meerwesen mit menschlichem Körper, auf ihrem Rücken Nymphen über den einstmals aus einer Seenkette bestehenden Schwarzen Graben von einem Ufer zum anderen getragen haben sollen.
Die Schülerinnen und Schüler der der Sophie-Scholl-Oberschule und der Barbarossa-Grundschule werden im Verlauf von zwei getrennten Projektwochen die vielseitige Geschichte dieses Ortes recherchieren, an dem sich Bau-, Verkehrs- und Kunstgeschichte auf besondere Weise verdichten. Mit einer wandelnden Ausstellung, begleitet von Theaterperformances und Lesungen über und um die Carl-Zuckmayer-Brücke herum werden die Kinder und Jugendlichen die Besucher an den Ergebnissen ihrer „Forschungsexpeditionen“ teilhaben lassen.
„Was die Berliner Stadttore erzählen?“
Mitte Museum
Das diesjährige Motto des Tages des offenen Denkmals „Kultur in Bewegung – Reisen, Handel und Verkehr“ regt an, die Bauten zu betrachten und vorzustellen, denen dieses Thema wie auf den Leib geschneidert scheint - die jedoch (bis auf eine Ausnahme) nicht mehr existieren: die Stadttore Berlins. Das Kinder- und Jugendprojekt „Was die Berliner Stadttore erzählen?“ des Mitte Museums beschäftigt sich mit der Geschichte dieser Bauten und wird sie neugierigen Besuchern am Tag des offenen Denkmals anhand von Modellen, Rollenspielen und szenischen Darstellungen veranschaulichen.
Die Stadttore sind Ausdruck des Wandels und der Bewegung, betrachtet man ihre Architektur und die teilweise Veränderung ihrer Standorte bzw. ihren Abbruch im Laufe der Stadtgeschichte. Mit dem Wachsen der Stadt und ihrer Stadtmauern war ihre Anzahl um 1850 auf beinahe 20 angewachsen - wenige Jahre vor ihrem Abriss.
Die Tore zeugen von Bewegung, von Reisen, dem Handel und Verkehr. Der Name der Tore benennt meist die nächst größere Stadt und damit die Richtung, das Ziel, die Herkunft oder Station der Passanten, der Reisenden, der Händler: Leipzig, Potsdam oder Hamburg. Sie waren die Nadelöhre der mittelalterlichen Stadtmauer, der Festungsanlage seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und der Akzisemauer, deren Bau in den 1730er Jahren begonnen wurde. Jeder musste sie passieren, wollte er die Stadt besuchen oder verlassen. Sie waren Kontrollpunkte und je nach Epoche und Order erfolgten die Personenkontrollen. Sie dienten als Zollstationen, alle Waren fanden über sie den Weg in die Stadt und wurden hier verzollt. Die Tore bildeten Knotenpunkte des Verkehrs. Fußgänger, Reiter, Karren, Pferdekutschen und andere Vehikel drängten durch sie hindurch. Auch ihr Verschwinden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist ein Zeichen von Bewegung und Wandel. Die Akzisemauer und damit die Tore entsprachen nicht mehr den Ansprüchen der wachsenden Großstadt. Nachdem sie ihre Funktion verloren hatten, mussten sie Neubauten weichen und dem Ausbau einer verbesserten Infrastruktur wie breitere Straßen, die der Verkehr nun erforderte.

