werkstatt denkmal - Jugendprojekt von Denk mal an Berlin e.V. und dem Arbeitskreis Berliner Regionalmuseen 2013

Das Thema

Thematisch orientierte sich das Projekt in diesem Jahr am Motto zum Tag des offenen Denkmals: "Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?".

 

Jenseits des Guten und Schönen können Orte sein, an denen Menschen litten, kämpften oder starben. Auch übertragene Erinnerungsformen wie Gedenksteinen, Denk- und Mahnmälern zählen zu diesen Orten, sie sollen an Unrecht und Gewalt erinnern und sind damit per se unbequem, da sie dunkle Zeiten in der Geschichte anmahnen.

 

Die Abwesenheit des Guten schließt jedoch nicht automatisch die Anwesenheit des Schönen aus. Wie kann man diese Ambivalenz anerkennen, ohne die Opfer einer Gewaltherrschaft zu demütigen? Hier muss eine verantwortungsvolle Aufarbeitung der Geschichte Transparenz schaffen und die Vielfalt des Lebens abbilden

 

Auch ungewollte Denkmale müssen erhalten bleiben, um als Zeitzeugen aussagen zu können. Das sind Objekte, die dem Zahn der Zeit trotzten und heute den neuen Ideen im Weg stehen. Dies können Überreste von Arbeitslagern sein, die den Platz für Neubauten besetzen oder Denkmale aus vergangener Zeit, die etwas verherrlichen, was heute nicht mehr würdigungsfähig ist. An unbequemen Denkmalen lässt sich gesellschaftlicher Wertewandel ablesen und Geschichte in ihrer Widersprüchlichkeit erahnen. An diesen Objekten scheiden sich die Geister. Doch macht der Diskurs um unbequeme Zeitzeugen nicht die demokratische Gesellschaft aus? Für uns ist es wünschenswert, dass Bürger ihre Vergangenheit reflektieren und sich aus dem Geschehenen eine Meinung bilden.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Tag des offenen Denkmals 2013

Das Projekt

Der Verein Denk mal an Berlin e.V. engagiert sich in der Jugendkulturbildung. Seit 2004 organisieren wir in Kooperation mit dem Arbeitskreis Berliner Regionalmuseen jährlich Workshops mit Schülern und Schülerinnen aller Klassenstufen. Gemeinsam mit Experten erkunden Kinder und Jugendliche Denkmale in ihrem „Kiez“ und erschließen sich so ihre unmittelbare Umgebung. Ziel ist es, die Kinder und Jugendlichen für die Denkmalpflege zu sensibilisieren und ihre Identifikation mit dem baukulturellen Erbe zu stärken.

 

Für dieses Projekt erhielten wir im Jahre 2010 die Ferdinand-von-Quast-Medaille.

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Projektkoordination:

Konstanze Gergs und Corinna Tell

werkstatt(at)denk-mal-an-berlin.de

Pressemitteilung zum Tag des offenen Denkmals 2013

Unsere Pressemappe mit allen Details zu dem Projekt werkstatt denkmal 2013 finden Sie hier:

Die Workshops

© Sofija Popov-Schloßer

Museum Charlottenburg-Wilmersdorf und Schule am Schloss: Zum Teufel mit dem Berg?

Die Zukunft der Abhörstation auf dem Teufelsberg.

SchülerInnen der Schule am Schloss erforschten die Geschichte und den historisch-politischen Kontext des Teufelsbergareals. Sie wurden an den Naturraum, die Anforderungen des Denkmalschutzes und den Erhalt von historischer Substanz herangeführt und diskutieren die Unterschutzstellung des Areals. Inspiriert von den Strukturen der Kuppeln auf dem Teufelsberg gestalteten die SchülerInnen dreieckige Holztafeln, sie bauten ein Modell der Anlage und setzen so ihre Eindrücke künstlerisch um. Am T.d.o.D. waren die SchülerInnen mit einer Ideenbörse vor Ort. Außerdem präsentierten sie ihr Projekt auf der Bühne im Berliner Rathaus bei der Abschlussveranstaltung zum T.d.o.D.

© Konstanze Gergs

Museum Lichtenberg und Immanuel-Kant-Gymnasium: Schönheit und Grausamkeit liegen so dicht beieinander.

Die ehem. Arbeitshäuser an der Rummelsburger Bucht.

Das Museum Lichtenberg griff das Thema der Rummelsburger Arbeitshäuser auf, für die ein Gedenkort geschaffen werden soll. Während der Projektphase trafen sich die Lehrerin Dorit Hensel und ihre SchülerInnen aus dem Leistungskurs Kunst/Architektur mit der Kulturvermittlerin Marija Momčeva. Durch Recherchen, Diskussionen, Zeitzeugengespräche und Ortsbegehungen wurden die Hintergründe zur Entstehung der Arbeitshäuser Rummelsburg sowie die Geschichte dieses Komplexes erarbeitet. Am T.d.o.D. führten die SchülerInnen Besucher über das Gelände.

© Corinna Tell

Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf und Otto-Nagel-Gymnasium: Ein Denkmal kriegt was auf die Mütze!

Ein neuer Adler für das Kriegerdenkmal Biesdorf?

Das Kriegerdenkmal Biesdorf soll instand gesetzt werden und dabei seine alten Symbole - Weltkugel und Adler - wieder erhalten. Das führt zu Kontroversen im Bezirk. Durch die Arbeit mit einer 10. Klasse sollten neue Perspektiven auf das Objekt erschlossen werden. Die SchülerInnen werteten historische Unterlagen und Denkmalbeispiele aus. Dann entwarfen sie eigene schöpferische Ideen für einen alternativen Aufsatz auf dem Denkmal. Am T.d.o.D. zeigten sie ihre Entwürfe in einer Ausstellung im Museum und diskutierten mit den Besuchern, die die Möglichkeit hatten, mit Knetmasse eigene kleine Symbole zu gestalten, um sie auf einem kleinen Nachbau des Obelisken zu setzen und den Bedeutungswandel selbst nachzuvollziehen.

© Michael Mohr

Mitte Museum und Freidrich-Engels-Gymnasium: Schrecklich schön!

Kriegsdenkmäler auf Berlins Prachtstraße.

Henriette Panik untersuchte mit den SchülerInnen der 10. Klasse Denkmäler auf ihre Bedeutung und Sinnhaftigkeit für die heutige Gesellschaft hin. Erste Station war die Berliner Siegessäule, an der die Unbequemlichkeit aus verschiedenen historischen Sichtweisen heraus geprüft wurde. Weiter ging es zum sowjetischen Ehrenmal im Tiergarten, wo die SchülerInnen die heutigen Deutungsmuster diskutierten. Über die Rolle der preußischen Herrscher bei der Deutung des Brandenburger Tores ging es weiter zum Reiterstandbild Friedrich des Großen. Hinterfragt wurde der Umgang mit dem Denkmal zu DDR-Zeiten. Im nächsten Schritt entwarfen die SchülerInnen selbst Denkmäler zum Thema Krieg & Frieden, die am T.d.o.D. im Rahmen einer Ausstellung im Brunnenhäuschen im Mitte-Museums präsentiert wurden.

© Dr. Wolfgang Ellerbrock

Museumsverbund Pankow und OSZ Bürowirtschaft u. Dienstleistungen: Lebenswert und „unwertes Leben“.

Wohnen auf dem Gelände des ehem. Klinikum Buch.

Unter Anleitung der Kulturvermittlerin Heide Frenzel-Gropius analysierten die Lehrlinge des OSZ die Medizinverbrechen während des Nationalsozialismus in den Krankenanstalten Berlin-Buch und die damit verbunden Entscheidungen von Behörden des NS-Regimes. Ein Besuch der Euthanasie- Ausstellung in der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik sowie ein Interview mit Rosemarie Pump und Hannelore Dege vermittelten Wissen über die sog. T4-Aktionen. Vor Ort erkundeten die TeilnehmerInnen das von Ludwig Hoffmann erbaute Areal und bereiteten geführte Rundgänge für den T.d.o.D. auf.

© Corinna Tell

Jugendmuseum Schöneberg und Robert-Blum-Gymnasium: Ein schweres Erbe leicht verdaulich?

Neue Kommunikationsformen für den Schwerbelastungskörper in Schöneberg

In einem Workshop erschlossen sich die SchülerInnen unter Anleitung die Geschichte des Schwerbelastungskörpers. Mit der Künstlerin Adi Shalmon begaben sie sich auf Foto-Safari. Dann erarbeiteten sie Ideen für einen kritischen Umgang mit diesem ambivalenten Ort und entwarfen Foto-Text-Collagen, die am T.d.o.D. überall auf dem Gelände angebracht wurden. Parallel zu den Schülern beschäftigten sich Studierende der UdK mit dem Ort. Sie präsentierten Installationen und Videoarbeiten sowie eine abendliche Lichtprojektion am T.d.o.D.

© Reinhard Hoffmann

Museum Spandau und Lilly-Braun-Oberschule: Können Waffen Frieden stiften?

Das „Denkmal zur Erinnerung an die Gefallenen der Freiheitskriege 1813-1815“ von Karl Friedrich Schinkel.

Über 250 Schüler und Schülerinnen beschäftigten sich in diesem Sommer mit dem „Denkmal zur Erinnerung an die Gefallenen der Freiheitskriege“ von Karl Friedrich Schinkel. Die Jüngeren übten sich in der Darstellung zeitgenössischer Uniformen. Mit den Schülern der Klassestufen 5,6 und der Oberstufe wurden Modekurse veranstaltet. Andere Jugendliche machten sich Gedanken über das Leid der Soldaten im Krieg. Eine Vielzahl von Zeichnungen, Collagen und Malereien sowie Texte mit literarische Qualität entstanden und wurden am T. d. o. D. auf Präsentationstafeln im Innenhof der Zitadelle Spandau präsentiert.

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