Werkstatt Denkmal - Jugendprojekt von Denk mal an Berlin e.V. und dem Arbeitskreis Berliner Regionalmuseen 2014

Thema „Farbe“

Wie in jedem Jahr orientierte sich das Projekt thematisch am Motto zum Tag des offenen Denkmals, das in 2014 "Farbe" lautete.

Farbe prägt die Wahrnehmung unserer Umwelt maßgeblich. Die farbliche Gestaltung unserer Lebensumgebung ist seit Urzeiten zentrale Ausdrucksform und wird von allen Völkergruppen gezielt eingesetzt. Farben haben auch symbolhaften Charakter, erzählen Geschichten, können tabuisiert sein. Sie spielen in der ethnischen Abgrenzung und hierarchischen Ordnung sowie in religiösen Kontexten eine gewisse Rolle. Farbe war als Motto somit ein Fokus, der uns verschiedene Blickwinkel auf Denkmäler und die Denkmalpflege ermöglichte.

Weitere Informationen zum Thema: Tag des offenen Denkmals 2014.

 

Die Projektwochen

Die Schülerinnen und Schüler haben sich in Ihren Projektwochen auf vielfältige Weise mit dem Thema Farbe beschäftigt. Sie haben verschiedene Kirchenfenster untersucht – religiöse in der Evangelischen Jesuskirche sowie abstrakte im Gebäude des Museums Marzahn-Hellersdorf. Ebenso die blauen Wabenfenster mit zusammengesetzten Glassplittern des Architekten Eiermann, der den Neubau der Kaiser-Wilhelm Gedächtniskirche gestaltete, sowie die Fenster des Künstlers Alfred Kothe in der Zwölf-Apostel-Kirche in Schöneberg.

Die Kinder und Jugendlichen lernten unterschiedliche architektonische und stadtplanerische Ideen kennen. In der Hufeisensiedlung erfuhren sie, wie Bruno Taut in einem der ersten Projekte des sozialen Wohnungsbaus Farbe innovativ und als individualistisches Element einsetzte. Die Kinder der Projektwoche zur Großwohnsiedlung Märkisches Viertel lernten etwas über dessen Geschichte, von der Konzipierung vor über 50 Jahren und der späteren Gestaltung und Veränderung. Die in rot und grau gehaltene Splanemann-Siedlung der 1920er als erste Plattenbau-Siedlung Deutschlands wirkte auf die Schülerinnen und Schüler „niedlich“ im Vergleich zu den späteren Plattenbauten.

Mit dem ‚Roten Matrosen‘ erforschten sie die politische und symbolische Bedeutung von Farben. Ebenso in dem Workshop ‚Macht durch Farbe‘, in welchem Kinder vom Ischtar-Tor bis zum Fries am Haus des Lehrers vier ganz unterschiedliche Denkmäler untersuchten. Sie lernten, wie Herrscher als auch Revolutionäre, Farbe einsetzten und welche Bedeutung sie in politischen Kontexten haben kann.

Die Kinder und Jugendlichen lernten dabei etwas über Glaskunst und Restaurationsverfahren, die (traditionelle) Herstellung von Farbe und den Wandel von Farbbedeutungen in unterschiedlichen kulturellen und zeitlichen Kontexten. So vielfältig wie die Denkmäler sind auch die Ergebnisse: Fensterbilder und Lichtinstallationen, Gedichte und Vorträge, Hausmodelle und Einrichtungsideen, Gemälde und künstlerische bearbeitete Fotos, Glasfenster und Skizzen.

Pressemitteilung

 


Lichtenberg:

Splanemann-Siedlung – Annäherung an eine industrielle Bauweise

 

Eine Projektwoche des Museums Lichtenberg und der Bernhard-Grzimek-Schule

 

Schülerinnen und Schüler der 3. und 4. Klasse untersuchten die erste Plattenbau-Siedlung Deutschlands. Die in den 1920ern erbaute Siedlung geht auf den Architekten Martin Wagner zurück, der eine schnelle und kostengünstige Bauweise einführen wollte. Angeleitet durch die Künstlerin Brigitte Denck bauten die Kinder ein buntes Modellhaus in ‚Plattenbauweise’.

 

 

© GESOBAU, Florina Limberg

Reinickendorf:

50 Jahre Großwohnsiedlung Märkisches Viertel – wie sehen die Kinder die Siedlung heute?

 

Eine Projektwoche des Heimatmuseums Reinickendorf und der Lauterbach-Grundschule

 

Die Kinder der 4. Klasse beschäftigten sich mit dem Märkischen Viertel, in das vor 50 Jahren die ersten Bewohner einzogen und in dem sie selbst wohnen. Sie lernen die stadtplanerischen Ideen der Großwohnsiedlung sowie eines seiner beiden Denkmale, die St.-Martin-Kirche kennen. Unter der Fragestellung ‚wie sollte eine Siedlung aussehen?’ bastelten sie Modelle von Gebäuden, welche die Kulisse für einstudierte Theaterszenen rund um das Märkische Viertel bilden.

 

 

© Rebecca Fässler

Tempelhof-Schöneberg:

Die farbigen Fenster von Alfred-Kothe in der Zwölf-Apostel-Kirche

 

Eine Projektwoche des Jugend Museums (Schöneberg) und des Robert-Blum-Gymnasiums

 

In ihrer Projektwoche arbeiteten die Schülerinnen und Schüler der 7. Klasse zu den Glasfenstern der Kirche des Künstlers Alfred Kothe, welche in den 1960ern eingebaut wurden. Dem Künstler hatte im Zweiten Weltkrieg die Todesstrafe gedroht, später studierte er bildende Künste und Glasmalerei. Die Teilnehmer besuchten eine Glaswerkstatt und entwickelten mit Hilfe des Glasbaumeistern Skizzen für eigene Fenster, von denen einige anschließend aus Glas hergestellt wurden.

 

 

© Jennifer Fielding

Neukölln:
Individualität durch Farbe- Bruno Tauts Farbarchitektur im Reformwohnungsbau der 1920er Jahre

 

Eine Projektwoche des Museums Neukölln mit dem Albert-Einstein-Gymnasium

 

Das heutige UNESCO Weltkulturerbe Hufeisensiedlung gilt als Wendepunkt des sozialen Wohnungsbaus. Die Siedlung sollte demokratisches Wohnen gewährleisten und durch die Farbgestaltung individuellen Charakter erhalten. Die Oberstufenschülerinnen und –schüler lernten die architektonischen Ideen kennen und erfuhren, dass die Bewohner diese nach ihren eigenen Vorstellungen abänderten. Sie übten Vorträge ein und bauten ein Miniaturmodell von Siedlungshäusern. Begleitet wurden sie von einem studentischen Filmteam, welches einen dokumentarischen Kurzfilm gedreht hat.

 

 

© Mirjam Koring

Marzahn-Hellersdorf:
Ausmalen und Einleuchten – Kunstwerke aus Licht und Farbe

 

Eine Projektwoche des Museums Marzahn-Hellersdorf und der Johann-Strauss-Schule

 

Die Kinder der 4. Klasse untersuchten die Fenster der Evangelischen Jesuskirche Kaulsdorf mit ihren biblischen Motiven sowie die abstrakten Buntglasfenster des Gebäudes des Bezirksmuseums. Dabei beschäftigten sie sich mit der Wirkung von Licht und Farbe. Davon angeregt bastelten und malten sie Kunstwerke, welche zur Abschlusspräsentation illuminiert und den ganzen Raum in ein Gesamtkunstwerk verwandeln werden.

 

 

© Jennifer Fielding

Friedrichshain-Kreuzberg:
Wem würdest du ein Denkmal setzen?
Dem Revolutionsdenkmal ‚Roter Matrose’ auf der Spur

 

Eine Projektwoche des Museums Friedrichshain-Kreuzberg in Zusammenarbeit mit dem Paul Singer e.V. und der Leibniz-Schule

Die Jugendlichen der 8. Klasse beschäftigen sich mit den Revolutionsforderungen von 1918 sowie 1848 und der Bedeutung der Farbe Rot. Sie machten theaterpädagogische Übungen und erarbeiteten sich Kriterien für Denkmale. Davon ausgehend entwickelten sie, wem oder was sie gerne ein Denkmal setzen würden und stellen diese in ‚Happenings’ praktisch dar.

 

 

© Anja Köhler

Charlottenburg-Wilmersdorf:
Farbe im Quadrat – alte Mosaike und ein Neubau in strahlend blauem Licht

Eine Projektwoche des Museums Charlottenburg-Wilmersdorf mit dem Charlotte-Wolff-Kollegs

Die jungen Erwachsenen des Kollegs beschäftigten sich mit dem Denkmal Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und dessen facettenreicher Geschichte. Sie betrachteten die farbigen Mosaike in der Ruine und erlebten die beeindruckende Farbwirkung der ‚Wabenfenster’ im Egon-Eiermann-Neubau, welche aus zahlreichen blauen Glassplittern zusammengesetzt sind. Sie betätigten sich auf vielfältige Weise künstlerisch – vom Gedicht bis zur großflächigen Aquarell-Malerei – und setzten sich dabei insbesondere mit den Farben Rot und Blau auseinander.

 

 

© Nils Panik

Mitte:
Macht durch Farbe

Eine Projektwoche des Mitte Museums mit der Kreativitätsgrundschule in Friedrichshain

Die Kinder der 5. Klasse behandelten mit dem über 2.500 Jahre alten Ischtar-Tor, dem Berliner Dom, der Neuen Synagoge und dem Fries am Haus des Lehrers vier ganz unterschiedliche Denkmale. Der Fokus lag dabei auf dem Einsatz von Farbe und wie dieses je nach Kultur und Zeit als Instrument von Macht eingesetzt werden kann. In Anlehnung an die vier Elemente gestalteten sie das Modell des Gesundbrunnenhäuschens im Museumsgarten neu, zum Beispiel mit einer Deckenkuppel in Anlehnung an den Dom.

Das Projekt

Der Verein Denk mal an Berlin e.V. engagiert sich in der Jugendkulturbildung. Seit 2004 organisiert er in Kooperation mit dem Arbeitskreis Berliner Regionalmuseen jährlich Workshops mit Schülerinnen und Schülern aller Klassenstufen. Gemeinsam mit Experten erkunden diese Denkmäler in ihrem „Kiez“ und erschließen sich so Iihre unmittelbare Umgebung. Ziel ist es, die Kinder und Jugendlichen mit der Denkmalpflege in Kontakt zu bringen und ihre Identifikation mit dem baukulturellen Erbe zu stärken. Angeleitet durch eine Forschungsfrage mit Bezug zum Motto „Farbe“ findet die kreative und künstlerische Auseinandersetzung der Kinder und Jugendlichen statt.             Darauf aufbauend erarbeiten sie ein Konzept, wie sie das Denkmal und ihre Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit vermitteln wollen. Dabei sind die besonderen Kompetenzen und Interessen der Schüler und Schülerinnen gefragt, welche so die Möglichkeit haben, eine Führung oder Veranstaltung jenseits der herkömmlichen Museumsangebote zu entwickeln. Denkbar sind Formate vom Theaterstück bis hin zum Radiobeitrag. So sollen durch die medialen Gewohnheiten und Kompetenzen der Schüler innovative Projektarbeiten entstehen. Den Tag des offenen Denkmals gestalten die Schülerinnen und Schülern schließlich aktiv mit, indem sie ihre Projekte und Ergebnisse dort der Öffentlichkeit präsentieren. Anschließend findet eine Abschlussveranstaltung und im Berliner Denkmalsalon eine Ausstellung zu den Projekten statt.

 

Das Projekt „werkstatt denkmal“ wurde im Jahre 2010 mit der Ferdinand-von-Quast-Medaille ausgezeichnet. mehr >>

 

Projektkoordination:

 

Jennifer Fielding

werkstatt(at)denk-mal-an-berlin.de

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