werkstatt denkmal 2015 "Handwerk, Technik, Industrie" - Projektfilm

Tag des offenen Denkmals 2015

Zum Tag des offenen Denkmals am 12./13. September stellten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unseres Jugendprojekts werkstatt denkmal  ihr Projektergebnisse der interessierten Öffentlichkeit vor.

Die Schülerinnen und Schüler aus sieben Bezirken haben sich in ihren Projektwochen auf vielfältige Weise dem Thema 'Handwerk, Technik, Industrie' genähert. Sie beschäftigten anlässlich der Rekonstruktionsarbeiten im Schloss Biesdorf mit dem Stuckhandwerk, stellten selbst Gips-Repliken her und gingen der Frage von 'Original' und 'Fälschung' nach.

 

Auf dem Pfefferwerk-Gelände untersuchten sie, wie dort früher Bier gebraut wurde und wie sich der Besuch des Braumeisters seither verändert hat. Ein unscheinbarer erhaltener Wall an der Rummelsburger Bucht lud dazu ein, zu erkunden wie früher - am Beispiel der Krause'schen Eisfabrik - mithilfe künstlicher Dämme Eis hergestellt und im Sommer zur Kühlung verwendet wurde.

 

Die Kinder in Reinickendorf setzten sich mit dem ehemaligen Zwangsarbeiterlager am Krumpuhler Weg auseinander und erfanden dazu kreative und lebhafte Theaterszenen, die sich zwischen Fakten und hoffnungsvoller Fiktion bewegen. In Mitte entstand eine Wanderausstellung aus Dioramen - diese stellen in fünf Schaubildern die wechselhafte Nutzungsgeschichte der Shedhallen von der Arnheim'schen Tresorfabrik zur heutigen Bildhauerwerkstatt dar.

 

In Charlottenburg und Lankwitz stand das besondere Licht der Berliner Gas-Straßenbeleuchtung im Mittelpunkt. Das Thema wurde differenziert diskutiert und fand Ausdruck in Gedichten, Holz-Licht-Installationen und Malereien.

 

Ein ganz aktuelles Thema wurde in diesem Jahr in Neukölln aufgegriffen: eine Wilkommensklasse mit jungen Migranten hat sich mit den böhmischen Glaubensflüchtlingen beschäftigt, den ersten Flüchtlingen in Neukölln, die im 18. Jahrhundert ihr traditionelles Textillhandwerk in Berlin-Rixdorf etablierten. Die Jugendlichen haben ein aktuelles Thema historisch gespiegelt und bei der Bearbeitung Parallelen zwischen sich selbst und den böhmischen Flüchtlingen gefunden. Den Prozess des Textilhandwerks haben sie vom Scheren eines Schafs bis zum fertigen Webstück nachvollzogen und praktisch umgesetzt.

 

Einen dokumentarischen Kurzfilm über den Workshop in Neukölln hat ein engagiertes junges Filmteam der DEKRA Schule gedreht, der sowohl am Sonntag in der Scheune als auch am Sonntag Abend im Denkmalsalon im Berliner Rathaus gezeigt wurde.

 

Programmpunkte:

Ehemalige Tresorfabrik S.J. Arnheim (Wedding, Mitte):
Von der Tresorfabrik zur Bildhauerwerkstatt – Herstellungsprozesse damals und heute

Ausstellung des Kunstkurses der 9. Klasse des Diesterweg-Gymnasiums zu der wechselhaften Nutzungsgeschichte in Dioramen

ORT & ZEIT: So, 13.09. 11 – 18 Uhr, Galerie der Bildhauerwerkstatt, Osloerstr.102 (U-Bhf Osloer Straße

 

Ehemalige Braurei Pfefferberg (Prenzlauer Berg, Pankow):
Vom Brauereistandort zur Produktionsstätte für Kultur- und Dienstleistungen

Führungen zu Brauereihandwerk, Denkmalrestaurierung und heutiger

Nutzung des Geländes, 9. Klasse Kurt-Schwitters-Schule

ORT & ZEIT: Sa, den 12.09., 10 und

12 Uhr, Treffpunkt Eingang Christinenstraße (U-Bhf Senefelderplatz)

 

 

Berliner Gaslaternen (Charlottenburg):
STADT_LICHT_RAUM

Ausstellung und Präsentation der Kunstwerke, Schüler des Charlotte-

Wolff-Kollegs, Teilnehmer vom Outreach-Kulturbunker LankwitZ

ORT & ZEIT: So., den 13.09. 12.30 - 16 Uhr, 1. OG Villa Oppenheim (Bezirksmuseum),

Schloßstraße 55, U-Bhf Sophie-Charlotte-Platz

 

Böhmisches Dorf (Neukölln-Rixdorf):
Migranten auf den Spuren der ersten Flüchtlinge in Neukölln; Böhmische Weber in Rixdorf als Motor der Berliner Textilindustrie

Schüler einer Willkommensklasse der Heinrich-Mann-Schule berichten

in Erzählcafé von ihren Migrationserfahrungen und führen in Mitmachaktionen

in das traditionelle Textilhandwerk ein

ZEIT: So, den 13.09., 11 – 15 Uhr
11:00:Begrüßung
11:15: Filmvorführung in Anwesenheit des Film-Teams (DEKRA Hochschule Berlin)
11:30: Erzählcafé zu Migrationserfahrungen, Mitmachaktionen rund um das Textilhandwerk, Ausstellung

ORT: Scheune (gegenüber Kirchgasse 10) (UBhf. Karl-Marx-Straße)

 

Schloss Biesdorf (Marzahn, Marzahn-Hellersdorf):
Stuck für Stuck... Formen, Abgüsse und Restaurierung am Baudenkmal

Schüler der 11. Klasse des Wilhelm-von-Siemens-Gymnasiums zeigen Ausstellung mit selbstgemachten Stuck-Elemente und Bildern und führen in das Stuck-Handwerk ein

ORT & ZEIT: So., den 13.09., 12.-18 Uhr, Schloss Biesdorf, Alt Biesdorf 55 (U-Bhf Elsterwerdaer Platz)

 

Ehem. Eisfabrik Krause (Lichtenberg):
Eisproduktion in Lichtenberg Anfang des 20. Jahrhunderts

Eine Klasse des Andreas-Gymnasiums führt in die Entwicklung der Eisproduktion ein und erläutert historische Kühlungsverfahren, verkauft Eis in selbstgestalteter Verpackung und zeigt Eis-Werbefilme

ORT & ZEIT: Sa, den 12.09. um 14 Uhr + So, den 13.09. um 11 Uhr, Treffpunkt am Blockpark (Zugang in Höhe Fischerstr.15, S-Bhf. Nöldnerplatz)

 

Gedenkstätte Historischer Ort Krumpuhler Weg  (Reinickendorf):
Theaterszenen zum ehemaligen Zwangsarbeiterlager

Eine 5. Klase der Alfred-Brehm-Grundschule zeigen Theaterszenen, kombiniert mit Führungen über das Gelände

ORT & ZEIT: So, den 13.09, Begrüßung um 14 Uhr, Aufführungen um 14.30, 15.15 und 16 Uhr, Billerbecker Weg 123A (Bus 133, X33)

 

Berlinweite Abschlussveranstaltung im Roten Rathaus:

Vorträge zu Schienen-Denkmalen, Kurzfilm der werkstatt denkmal in Anwesenheit des Film-Teams der DEKRA Hochschule, kleine Ausstellung zu den Workshops

ORT & ZEIT: So, den 13.09 ab 18 Uhr im Roten Rathaus (Jüdenstraße/Rathausstraße, Berlin-Mitte)

 

Thema „Handwerk, Technik, Industrie“

Wie in jedem Jahr orientiert sich das Projekt thematisch am Motto zum Tag des offenen Denkmals, das in 2015 "Handwerk, Technik, Industrie" lautet. Damit reiht sich das Projekt in die Reihe der zahlreichen Veranstaltungen zum Tag des offenen Denkmals ein, welche jährlich bundesweit und in Berlin gleich für ein ganzes Wochenende angeboten werden (12./13. September 2015). Über 45 Länder beteiligen sich in Europa regelmäßig an den „European Heritage Days“ und werben damit für den Denkmalschutz.

 

In 2015 soll auf die Bedeutung industrieller und technischer Baudenkmäler hingewiesen werden, die ebenso zum baukulturellen Erbe gehören wie Kirchengebäude und Altstädte. Industrie und Technik haben ganze Regionen geprägt, so wie beispielsweise das Ruhrgebiet, oder bilden die Kulisse für Hafenstädte. Traditionelle Handwerkstechniken gelten als Basis der Baukultur ebenso seit einigen Jahren als Teil des Weltkulturerbes, seine technischen Neuerungen bedingen Veränderungen und Spezialisierungen handwerklicher Berufe.

 

Baudenkmäler bilden wirtschaftliche, technologische und soziale Veränderungen ab, dazu gehören schnell wachsende Industriegegenden ebenso wie leerstehende Fabrikgebäude und Brachen. An der veränderten Nutzung, dem Abriss oder Neubau von industriell genutzten Anlagen kann ein Wandel gesellschaftlicher Bedürfnisse abgelesen werden, begleitet von einem Wandel der nachgefragten Arbeit und Berufe.

 

Für Kinder und Jugendliche bietet das Motto die Möglichkeit, sich die Bau- und Nutzungsgeschichte von Industriedenkmalen und davon ausgehend von Berufsbildern zu erarbeiten und mit einer Veränderung des Handwerks sowie der Produktion zu beschäftigen. Interessante Aspekte können dabei aktuelle Themen sein wie die Verlegung von Produktionsstätten in andere Länder, ein gesellschaftlicher Wandel von Bedürfnissen, Konsum- und Nutzungsverhalten sowie Nachhaltigkeit und Umweltaspekte in der Produktion. Durch das praktische Ausprobieren von handwerklichen Techniken soll den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ihre baulichen Umgebung nahegebracht und eine differenziertere Wahrnehmung der hinter alltäglichen Gütern stehenden Produktionswege ermöglicht werden.

 

Ergebnis sollen Projektarbeiten sein, die Einblick in die Wahrnehmung und Gedankenwelt der Kinder und Jugendlichen bieten, einen neuen Blick auf Industriegeschichte und -denkmale der Stadt ermöglichen und aktuelle Debatten zu Produktions- und Konsumkreisläufen aufgreifen. Die Schülerinnen und Schüler können das angeeignete Wissen zu Berufsfeldern zu ihrer eigenen beruflichen Orientierung nutzen. Sie sollen zu einem reflektierten Konsumverhalten sowie Umgang mit Ressourcen angeregt werden. Ihr Bewusstsein bezüglich der Bedeutung von Industriedenkmalen als auch von immateriellem Kulturerbe, dem Wissen um Herstellungs- und Produktionstechniken, soll gefördert werden.

 

Weitere Informationen zum Thema gibt es bei der Deutsche Stiftung Denkmalschutz sowie dem Landesdenkmalamt Berlin.   

 

 

Das Projekt

 

Der Verein Denk mal an Berlin e.V. engagiert sich in der Jugendkulturbildung und organisiert seit 2004 in Kooperation mit dem Arbeitskreis Berliner Regionalmuseen jährlich Workshops mit Schülerinnen und Schülern aller Klassenstufen. Gemeinsam mit Experten erkunden diese Denkmäler in ihrem ‚Kiez’ und erschließen sich so ihre unmittelbare Umgebung. Ziel ist es, die Kinder und Jugendlichen mit der Denkmalpflege in Kontakt zu bringen und ihre Identifikation mit dem baukulturellen Erbe zu stärken. Angeleitet durch eine Forschungsfrage mit Bezug zum Motto „Handwerk, Technik, Industrie“ findet die kreative Auseinandersetzung der Kinder und Jugendlichen statt. Darauf aufbauend erarbeiten sie ein Konzept, wie sie das Denkmal und ihre Forschungs- und Arbeitsergebnisse der Öffentlichkeit vermitteln wollen. Die Schülerinnen und Schüler haben so die Möglichkeit, eine Führung oder Veranstaltung jenseits der herkömmlichen Museumsangebote zu entwickeln. Denkbar sind Formate vom Theaterstück bis hin zum Audiobeitrag, von der selbsterstellten Ausstellung bis hin zur interaktiven Präsentation.

 

Durch die Einbeziehung lokaler Akteure, Initiativen und Experten wie Restauratoren sollen die örtlichen Netzwerke sowie das bürgerschaftliche Engagement gestärkt und Debatten zu Denkmalen wieder belebt werden. Die Zusammenarbeit der Museen mit Schulen aus der Umgebung ist langfristig angelegt, intendiert werden die Durchführung weiterer Projekte und ein nachhaltiges Interesse der Kinder und Jugendlichen an den Angeboten ‚ihres’ Bezirksmuseums. Die Museen haben durch die Rückmeldungen und die selbständige Arbeit der jugendlichen Teilnehmer die Möglichkeit, ihr Programm in Bezug auf diese Zielgruppe zu überprüfen und ggf. Anregungen aufzugreifen.

 

Die Schülerinnen und Schüler gestalten das Programm zum Tag des offenen Denkmals durch ihre Präsentationen schließlich aktiv mit und treten so mit Anwohnern und Interessenten ins Gespräch. Anschließend findet eine Abschlussveranstaltung und im Berliner Denkmalsalon eine Ausstellung zu den Projekten statt.

 

Das Projekt „werkstatt denkmal“ wurde im Jahre 2010 mit der Ferdinand-von-Quast-Medaille ausgezeichnet. mehr >>

 

Projektkoordination:

 

Bei Fragen zum Projekt, Teilnahmeanfragen sowie Interesse an einer Förderung des Projekts können Sie sich gerne direkt an die Projektleiterin wenden:

 

Jennifer Fielding, werkstatt(at)denk-mal-an-berlin.de

 

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