Führung, Vortrag und Denk mal Stammtisch „Die Rettung und Aufwertung der Gebäude der Karl-Marx-Allee“ 10. 11. 2008

Als magistrale Schneise und eindrucksvolles städtebauliches Ensemble durchzieht die ehemalige Stalinallee, die heutige Karl-Marx-Allee, den Stadtteil Berlin- Friedrichshain. Von 1949 bis 1961 wurden die repräsentativen Wohn- und Geschäftsbauten eines der größten und ehrgeizigsten städtebaulichen Projekte Ost-Berlins von Architekten wie Hans Scharoun, Richard Paulick und Hermann Henselmann geplant und realisiert.

Der Architekt und Stadtplaner Olaf Gibbins, gibbins® european architects, Potsdam / Hamburg hat im Anschluss an eine einstündige Begehung der Karl-Marx-Allee in einem Vortrag über „Die Rettung und Aufwertung der Gebäude der Karl-Marx-Allee“ berichtet. Dabei erläuterte er den aktuellen Stand der Sanierung und ihren ökonomischen Hintergrund. Olaf Gibbins wurde nach der Wende mit der Generalplanung der Sanierungsmaßnahmen in der Karl-Marx-Allee betraut.
Durch eine Kooperation mit dem Förderverein Invalidenfriedhof e.V. wurde diese außergewöhnliche Veranstaltung möglich.

Der weitere Abend bot als bewährter „Stammtisch“ von Denk mal an Berlin e.V. Gelegenheit zu angeregten Gesprächen.

Führung und Lesung "Die Villa Liebermann. Ein Denkmal und seine Bewohner" 30.09.2008

Max Liebermann, Vorsitzender der Berliner Secession und Präsident der Preußischen Akademie der Künste, erwarb 1909 ein Grundstück am Wannsee, um der Hektik Berlins entgehen zu können. Als Architekten wählte er Paul Otto Baumgarten, der auch die benachbarte Villa Hamspohn entworfen hatte. Die Gestaltung des Gartens übertrug er dem späteren Stadtgartendirektor Berlins, Albert Brodersen, und ließ sich dabei von dem auch als „Gartenreformer“ bekannten Alfred Lichtwark beraten. Es entstand so ein Ort, an dem Innenraum und Außenraum auf besondere Weise korrespondieren.
 
Nach einer Führung durch Haus und Garten hat der Schauspieler Hans-Jürgen Schatz, Mitglied im Kuratorium unseres Vereins, Texte von und über Liebermann vortragen. Vertreten waren beispielsweise Schriften des bedeutenden Kunstkritikers Karl Scheffler und vieles mehr.
 
Sämtliche Einnahmen des Abends kamen der Liebermann-Villa zugute.

Podiumsdiskussion „Denkmale und Solarenergienutzung" 10.09.2008

Ein wahrhaft konstruktiver Meinungsaustausch: Der Verein Denk mal an Berlin e.V. und die systaic AG haben mit großem Erfolg einen Themenabend über Solarenergie und Denkmalschutz veranstaltet. Die erste Podiumsdiskussion zur Fragestellung, wie vereinbar Umweltschutz durch Sonnenstrom und die Wahrung des Denkmalschutzes sind, wurde von 150 Interessierten, darunter zahlreiche Architekten, Planer, Denkmalpfleger und Journalisten, verfolgt.
Zunächst hatten Martin Honerla, Vorstand der DKB-Stiftung für gesellschaftliches Engagement – in den Räumlichkeiten der Deutschen Kreditbank AG fand der gelungene Abend statt – sowie Hans Wall, Vorsitzender von Denk mal an Berlin e.V. und SYSTAIC Vorstand Olaf Achilles ihre Grußworte adressiert. Dipl.-Ing. Olaf Achilles machte deutlich, dass man bereits heute technisch in der Lage ist, optisch höchst anspruchsvolle Energiedächer herzustellen. Notwendig sei die Bewahrung der Schöpfung als Grundlage jeglichen Lebens: „Erneuerbare Energien sind deshalb die zwingend logische Folge. Jede Ressource muss dazu beitragen – und das Dach ist heute eine dieser Ressourcen.“ Auch Hans Wall betont, wie wichtig es ist, in der denkmalpflegerischen Praxis technischen Innovationen aufgeschlossen gegenüberzustehen. Eine kompetente Auseinandersetzung mit derart starken Eingriffen in die Ästhetik und Erscheinung historischer Bauten sei aber dringend geboten.

In ihrem Einführungsvortrag erläuterte die Architektin Dr. Susanne Rexroth, dass bereits heute zahlreiche Denkmale mit fotovoltaischen und solarthermischen Modulen bestückt sind – mit optisch sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Es sei für sie dann „eine gelungene Integration, wenn die neue Technik mit der vorhandenen in einen Dialog tritt, ohne dass das eine oder andere sich in den Vordergrund spielt.“ Dr. Rexroth verwies auf die Möglichkeiten kontrastreicher Dynamik, die dann greifen, wo das Neue nicht in Opposition gehe, sondern den Austausch suche, und zitierte – zum Denkmal- wie zum Umweltschutz passend – Friedrich Schiller mit den Worten: „Der gebildete Mensch macht sich die Natur zu seinem Freunde."
Die Podiumsdiskussion wurde souverän von Michael Zajonz, Kulturjournalist und Architekturkritiker, moderiert. Neben Dr. Susanne Rexroth diskutierten vier weitere Experten mit: Prof. Dr.-Ing. Johannes Cramer (TU Berlin, Fachgruppe Bau- und Stadtbaugeschichte), Prof. Hans Kollhoff (Architekt und Mitglied des Kuratoriums Denk mal an Berlin e.V.), Fabio Longo (Vorstandsmitglied EUROSOLAR e.V. und Rechtsberater der Stadt Marburg für die Solarsatzung) und Dipl.-Ing. Michael Pack (Vorstandsvorsitzender der systaic AG).
Bereits in seinem Eingangsstatement machte Michael Pack, selbst Besitzer und Bewohner eines denkmalgeschützten Gebäudes, deutlich, dass so mancher modernisierende Eingriff in ein altes Gebäude ein grober stilistischer Fehler sein kann. Gleichwohl zeigte sich Michael Pack überzeugt, dass Handlungsbedarf besteht: „Der energetische Paradigmenwechsel ist da. Wir müssen uns darüber im Klaren werden, dass wir auf diese Situation eingehen und dass sich Denkmale dem nicht entziehen können. Es gibt gleichwohl historische Dächer, auf die ich niemals einen polykristallinen oder monokristallinen Solarkollektor legen würde. Der Einsatz von Fotovoltaik im Denkmalschutz kann aber bei anspruchsvoller Umsetzung zum Lackmustest für den Einzug der Solarenergie in hochwertige Architektur werden.“

„Wenn wir heute über Solarenergie und Denkmalpflege sprechen, zeigt sich, dass dieses längst überfällige Thema unglücklicherweise vernachlässigt worden ist“, postulierte  Prof. Johannes Cramer. „Architektonische Gestaltung und technische Anforderungen sind im Zusammenhang zu behandeln und nicht als isolierte Additive zu betrachten. Ich finde es großartig, dass es endlich Möglichkeiten gibt, die Elemente, die man einbauen möchte, so einzubauen, dass sie zur Architektur passen.“

Großen Zuspruch erntete Prof. Hans Kollhoff mit seiner Forderung, „modernistischen Strategien“ Einhalt zu gebieten: „Ich bin beileibe nicht gegen Solarenergie und versuche, ihr zum Durchbruch zu verhelfen. Auf der anderen Seite muss man klar sagen, wo unsere technischen Möglichkeiten ihre Grenzen haben – nämlich da, wo nicht nur Baudenkmale zerstört werden, sondern unsere Lebenswelt, die auch eine künstliche ist und an der viele Generationen gearbeitet haben. Gegenüber denen, die uns diese Welt überliefert haben, tragen wir eine Verantwortung, die über unsere momentanen Prioritäten hinausgeht.“

Spannende Einblicke in die kommunal- und landespolitische Kontroverse bot Fabio Longo. Der Rechtsanwalt berät die Universitätsstadt Marburg, die als einzige deutsche Stadt mit ihrer Solarsatzung die Nutzung von Sonnenenergie verbindlich vorschreibt und in der zahlreiche historische Gebäude das Stadtbild prägen. Der Anwalt erklärte zum Vorwurf der „Öko-Diktatur“ aufgrund der Marburger Solarsatzung: „Jede einzelne Solaranlage wird dahingehend überprüft, ob sie sich in das Stadtbild einfügt. Selbstverständlich bleiben beispielsweise die Elisabethkirche und das Marburger Stadtschloss als herausragende Kulturdenkmale unangetastet.“ Zu den ambitionierten Motiven der Stadt Marburg erklärte Fabio Longo: „Denkmalgeschützte Gebäude sind keine rein musealen Strukturen, sondern sollen überwiegend dazu dienen, dass darin gelebt und gearbeitet werden kann. Um das auch im postfossilen Zeitalter zu gewährleisten, benötigen wir sowohl eine Integration von Solarenergie als auch geeignete Dämm-Maßnahmen.“

Die anfolgende offene Fragerunde mit dem gleichfalls fachkundigen und meinungsstarken Publikum machte deutlich, dass die Nutzung von Solarenergie auf Denkmalen die Gemüter bewegt. Fotovoltaischer Strom, so dürfte ein Fazit der Veranstaltung lauten, ist eine notwendige und wertvolle energetische Kraft; ihr Einsatz auf Denkmalen hingegen sollte buchstäblich konservativ erfolgen. Die Veranstalter schließen aufgrund des großen Interesses und der fruchtbaren Auseinandersetzung nicht aus, dass die Podiumsdiskussion als Reihe fortgesetzt werden könnte.

Weitere Impressionen der Veranstaltung finden Sie hier.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit:

Busexkursion "Die Berliner Moderne und der Volkspark" 02.08.2008

Das Berlin der 1920er Jahren war die Hauptstadt der modernen Architektur. Architekten wie zum Beispiel Bruno Taut, Martin Gropius, Hugo Häring und Hans Scharoun sowie die Landschaftsarchitekten Leberecht Migge und Ludwig Lesser haben die Stadt stark geprägt und zur Metropole des neuen Baustiles geformt. Die von Frau Dr. Rolka geleitete Exkursion zum Thema „Berliner Moderne“ zeigte vier Siedlungen der bedeutendsten Architekten der Moderne: die Wohnstadt Carl Legien als städtischste und kompakteste Großsiedlung, die Weiße Stadt als Großsiedlung in Zeilenbauweise, die Schillerparksiedlung als erstes innerstädtisches Wohnprojekt nach dem Ersten Weltkrieg in Berlin und die Großsiedlung Siemensstadt, die den Weg zum internationalen modernen Städtebau weist. Zusätzlich wurde am Beispiel des Schillerparks die Bedeutung eines Volksparks für eine Wohnsiedlung verdeutlicht.

Denk mal-Stammtisch "Tag des offenen Denkmals" 30.07.2008

Dieser Abend stand unter dem Zeichen des bevorstehenden Tags des offenen Denkmals. Frau Dr. Wolf vom Landesdenkmalamt referierte über die Idee des Denkmaltages sowie die aktuellen Vorbereitungen und gab einen Einblick in die Vielfalt der Themen und Ereignisse am 13. und 14. September 2008. Frau Dr. des. Melisch sprach über ihre Arbeit als Archäologin und gab Einblick in ihr aktuelles Projekt, die Ausgrabung am Petriplatz in Mitte. Außerdem informierten Mitglieder unseres Vereins über die Vereinsaktivitäten am Tag des offenen Denkmals.

Rund um das Delphi. Kunst- und gartenhistorischer Spaziergang durch Charlottenburg 12.07.2008

Auf unserem Spaziergang besichtigten wir die idyllischen, als Wintergarten-Ensemble bekannten Gründerzeitvillen und Gärten in der Fasanenstraße. Die Route führte zum Künstlerhaus St. Lukas von Bernhard Sehring aus dem Jahr 1898 mit seinem verwunschenen Gartenhof sowie zum Delphi-Filmpalast von 1927/28 mit den mediterran anmutenden Delphiterrassen. Der von Erwin Barth 1926-27 gestaltete Savignyplatz und die um 1900 angelegten Gartenhöfe der so genannten Reformmietshäuser in der Mommsenstraße 3 und 6 waren weitere Stationen des Spaziergangs. Nach der Exkursion ließen wir die Veranstaltung in einem Restaurant am Savignyplatz ausklingen.

Tag der offenen Tür im Botanischen Garten 15.06.2008

Botanischer Garten, Königin-Luise-Straße 6-8, Berlin-Dahlem
Das Große Tropenhaus, in den Jahren 1905-1907 nach Plänen Alfred Koerners erbaut, gilt heute noch als eines der imposantesten und größten freitragenden Gewächshäuser der Welt. Anlässlich der derzeitigen Grundsanierung des Tropenhauses veranstaltet die Freie Universität Berlin im Botanischen Garten einen Tag der offenen Tür, bei dem zahlreiche Führungen, darunter auch speziell für Architekten, zur innovativen Haustechnik und zur Auslagerung der Pflanzen angeboten wurden. Denk mal an Berlin e.V. präsentierte sich neben weiteren privaten Denkmalinitiativen mit einem Infostand.

Führung "Theater und Komödie am Kurfürstendamm" 11.06.2008

Das Gutshaus Hohenschönhausen wurde im 17. Jahrhundert auf mittelalterlichen Grundmauern errichtet und Ende des 18. Jahrhunderts erweitert. Das Gebäude besitzt im Inneren ein System von Kreuzgratgewölben sowie hervorragende, wieder freigelegte Wandmalereien und Stuckaturen. Zusammen mit der Taborkirche und der Dorfschule bildet es den alten Dorfkern Hohenschönhausens. Der Förderverein Schloss Hohenschönhausen sicherte das seit 1990 leerstehende Kleinod und began1921 und 1923/24 von dem Berliner Theaterarchitekten Oskar Kaufmann entworfen, sind die beiden Boulevardtheater sowohl architektur- wie theatergeschichtlich von hoher Bedeutung. Auftraggeber für die Komödie war der Berliner Theatermann Max Reinhardt, der hier eine lange Tradition glanzvoller Aufführungen begründete: So fand beispielsweise 1931 die Berliner Erstaufführung von Brechts „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ in der Komödie statt. Die aktuelle Situation der erhaltenswerten Theaterräume, die aufgrund veränderter Eigentumsverhältnisse einer ungewissen Zukunft entgegensehen, wird Thema der Erläuterungen sein.

 2005 mit Restaurierungsmaßnahmen.

Führung "Gutshaus Hohenschönhausen" 10.06.2008

Das Gutshaus Hohenschönhausen wurde im 17. Jahrhundert auf mittelalterlichen Grundmauern errichtet und Ende des 18. Jahrhunderts erweitert. Das Gebäude besitzt im Inneren ein System von Kreuzgratgewölben sowie hervorragende, wieder freigelegte Wandmalereien und Stuckaturen. Zusammen mit der Taborkirche und der Dorfschule bildet es den alten Dorfkern Hohenschönhausens. Der Förderverein Schloss Hohenschönhausen sicherte das seit 1990 leerstehende Kleinod und begann 2005 mit Restaurierungsmaßnahmen.

Festveranstaltung zum Welterbetag 01.06.2008

Der deutsche Welterbetag 2008 stand unter dem Motto „Schülerinnen und Schüler sehen ihr UNESCO-Welterbe“. Aus diesem Anlass fand der vierte UNESCO-Welterbetag zum ersten Mal auch in Berlin statt. Im Zentrum des Berliner Welterbetags 2008 stand am ersten Sonntag im Juni der Welterbeantrag der Bundesrepublik Deutschland für sechs Berliner Siedlungen der Zwischenkriegsmoderne. Hauptschauplatz der Veranstaltung war die als „Hufeisensiedlung“ berühmt gewordene Großsiedlung Britz von Martin Wagner, Bruno Taut und Leberecht Migge sowie Ottokar Wagler.

Zum Auftakt des Berliner Welterbetags eröffneten die Berliner Senatsbaudirektorin Regula Lüscher und der Neuköllner Schulstadtrat Wolfgang Schimmang in Britz eine Ausstellung unter dem Titel „Wohnen im Welterbe? Siedlungen der Berliner Moderne“ in der Aula der Albert-Einstein-Oberschule im Bezirk Neukölln.
Die Schau stellt sechs Siedlungen der Moderne vor, die die Bundesrepublik Deutschland 2006 bei der UNESCO in Paris zur Nominierung eingereicht hat. Über den Aufnahmeantrag berät das Welterbekomitee auf seiner nächsten Sitzung Anfang Juli 2008 in Quebec, Kanada.
Um Siedlungsbewohner, aber auch Bürger und Besucher von Berlin über das bedeutende kulturelle Erbe des Sozialen Wohnungsbaus und über den Stand des Welterbeverfahrens zu informieren, hatten der Verein Denk mal an Berlin e.V und die Initiative Welterbe – Siedlungen der Berliner Moderne (ein Zusammenschluss der Siedlungseigentümer von Deutsche Wohnen AG, der Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 eG und der Pirelli RE) in Zusammenarbeit mit dem Kuratorium Berlin und der Jugendbauhütte der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und den UNESCO-Welterbestätten Deutschland e.V. ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm zusammengestellt.
In zweistündigen Bustouren konnten unter fachkundiger Führung die Gartenstadt Falkenberg, die Siedlungen Schillerpark und Weiße Stadt, die Wohnstadt Carl Legien und die Siemensstadt kostenfrei besichtigt werden. In der Hufeisensiedlung fanden stündlich Rundgänge statt, die auch den Besuch einer Musterwohnung beinhalteten. Der Berliner Welterbetag stand unter der Schirmherrschaft des Berliner Komitees für UNESCO-Arbeit e.V. und wurde gefördert von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sowie vom Bezirksamt Neukölln von Berlin.

Am 5. Juni 2005 wurde zum ersten Mal ein UNESCO-Welterbetag in Deutschland ausgerufen. Seitdem findet der Welterbetag jedes Jahr am ersten Sonntag im Juni statt. Ziel ist es, das Welterbe erlebbar zu machen und die eigene Kultur als Teil eines vielfältigen Erbes der Menschheit zu verstehen.

Busexkursionen und Führungen zum Welterbetag 01.06.2008

Gartenstadt Falkenberg
Die frühe Gartenstadtanlage am Hang des Falkenbergs entstand 1913-15 nach Entwürfen von Bruno Taut als baugenossenschaftliches Siedlungs- und Lebensreformmodell. Die Freiraumplanung stammt von Ludwig Lesser. Die Gartenstadtidee übernahm Taut aus England. Innovativ war sein Einsatz starker Farben am Äußeren der Häuser anstelle architektonischen Zierrats ("Tuschkastensiedlung"). Nach dem Mauerfall führte die Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 e. G. eine gründliche Modernisierung und Restaurierung durch (Architekt: Winfried Brenne).

Weiße Stadt
Die Großsiedlung Weiße Stadt entstand 1929-30 nach Plänen von Bruno Ahrends, Wilhelm Büning und Otto Rudolf Salvisberg; die Grünanlagen gestaltete Ludwig Lesser. In der Siedlung wurden abstrakte Raumfigurationen des Siedlungsbaus der Moderne erprobt. Eine umfangreiche Infrastruktur mit Gemeinschaftswaschküchen und Mietergärten entstand. Städtebaulich bemerkenswert die Aroser Allee: Eingefasst von fünfgeschossigen Torhäusern wird der lange Straßenraum durch ein Brückenhaus von Salvisberg. Es ist Erkennungszeichen der Weißen Stadt und ist der einzige Betonskelettbau der Siedlung, während die übrigen Häuser in Ziegel aufgeführt wurden. Die namensgebenden weißen Fassadenanstriche wurden in Anerkennung des Denkmalwerts schon in den 1980er Jahren von der GSW wieder hergestellt. Heute ist die Fortimo GmbH größtenteils Eigentümerin der Siedlung.

Siedlung Schillerpark
Die Siedlung am Schillerpark wurde 1924-30 von Bruno Taut und Franz Hoffmann entworfen, nach 1945 in Teilen von Max Taut wieder aufgebaut und 1954-59 von Hans Hoffmann erweitert. Sie gilt als erstes großstädtisches Wohnprojekt nach dem Ersten Weltkrieg. Im Gegensatz zu früheren Siedlungsbauten entwickelte Bruno Taut eine offene Blockrandbebauung mit großen Grünflächen. Die Häuser weisen eine Mischung aus expressionistischen Detailformen und Neuer Sachlichkeit auf. Die Fassadengliederung entwickelt sich aus den Grundrissen; Erker, Balkone und Loggien sind prägende Gestaltungsmittel. Die Backsteinfassaden werden durch helle Putzflächen aufgelockert. Eigentümer: Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 e.G.

Wohnstadt Carl Legien
Die Wohnstadt Carl Legien, benannt nach dem ersten Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, wurde 1929-30 von Bruno Taut und Franz Hillinger als gewerkschaftlich-genossenschaftliche Großsiedlung erbaut. Trotz des großstädtisch-kompakten Charakters vermittelt die geöffnete Bauweise den Eindruck einer aufgelockerten Wohnanlage im Grünen. Die U-förmig gruppierten Wohnblöcke besitzen ausgedehnte, gärtnerisch gestaltete Höfe als Mittelpunkt des Wohnens. Die erhöhten Kopfbauten zur Erich-Weinert-Straße werden von elegant um die Hausecken geführten Balkonen betont. Zahlreiche Folgeeinrichtungen wie Ladenzeilen, Waschhäuser und ein zentrales Heizwerk gehören zur Siedlung. Wohnhäuser und Grünflächen konnten in den vergangenen Jahren von der BauBeCon saniert und restauriert werden. Die ursprünglich farbige Gestaltung auch des Inneren wird derzeit wieder hergestellt.

Großsiedlung Siemensstadt
Die Großsiedlung Siemensstadt entstand 1929-32 unter Gesamtplanung von Hans Scharoun und Martin Wagner; Leberecht Migge war für die Freiflächengestaltung zuständig. An der Einzelplanung waren Mitglieder der progressiven Architektengruppe "Der Ring" beteiligt: Otto Bartning, Fred Forbat, Walter Gropius, Hugo Häring und Paul Rudolf Henning. Deshalb spricht man auch von der "Ringsiedlung". Im Stil des Neuen Bauens schufen sie Kleinstwohnungen mit moderner Ausstattung. An Schiffsarchitektur erinnern die Bauten von Hans Scharoun, der die weiß geputzte Randbebauung mit abgerundeten Bauelementen und Bullaugen versah. Seine Wohnblöcke führen torartig in die Siedlung. Die Großsiedlung Siemensstadt, heute in Besitz der GEHAG, ist eine funktionelle Wohnsiedlung, die den Weg zum internationalen modernen Städtebau weist und so das Modell einer aufgelockerten, gegliederten und durchgrünten Stadt der Nachkriegsjahre vorausnimmt.

Hufeisensiedlung
Die Hufeisensiedlung ist Teil der 1925-31 errichteten Großsiedlung Britz. Als erste deutsche Großsiedlung nach Krieg und Inflation sollte sie gesundes Wohnen auch für ärmere Bevölkerungsschichten ermöglichen. Die Siedlung mit der hufeisenförmigen Umbauung eines Teiches entstand 1925-27 nach Entwürfen von Bruno Taut und Martin Wagner; die Freiflächen entwarf Leberecht Migge. Aus Kostengründen griffen die Architekten zum Serienbau und beschränkten sich auf wenige Wohnungsgrundrisse. Kopfbauten und das Nebeneinander von Glatt- und Rauputzflächen ergeben spannungsvolle Fassadengliederungen, akzentuiert durch farbige Flächen, Fenster und Türen. Loggien vermitteln zum weiträumigen Innenhof, wo es ursprünglich Mietergärten gab. Platzbildungen wie der "Hüsung" verstärken den ländlichen Charakter.

Führung "Der Alte Schlachthof" 20.05.2008

Der öffentliche Zentralvieh- und Schlachthof wurde zwischen 1877 und 1883 auf Anregung Rudolf Virchows errichtet, um bessere hygienische Bedingungen und eine höhere Qualität des Fleisches zu gewährleisten. Aufgrund des gestiegenen Bedarfs wurde er von 1895 bis 1898 erweitert. Auf dem Gelände dieses Kulturdenkmals befinden sich noch zahlreiche denkmalgeschützte Gebäude, so zum Beispiel die Rinderauktionshalle aus der ersten Bauphase – mit ca. 15.000 m² Grundfläche und 320 Säulen eine der größten Eisenkonstruktionen Berlins – sowie Reste der stählernen Fußgängerbrücke, die zwischen 1937 und 1940 entstand. Herr Nicolovius, Geschäftsführer SES Stadtentwicklungsgesellschaft Eldenaer Straße mbH,  hat uns die Entwicklung und die heutige Nutzung des Komplexes erläutert. Für Fragen zur Denkmalpflege stand uns Frau Asseng, Mitarbeiterin der Unteren Denkmalschutzbehörde Pankow, zur Verfügung.

Denk mal-Stammtisch - "Das Besondere Denkmal" 29.04.2008

Am 29. April 2008 wurde die aus Mitgliedern des Vereins bestehende Arbeitsgruppe „Das Besondere Denkmal“ von Frau Dr. Ziemer, stellvertretende Vorsitzende des Vereins, und Herrn Dr. Linke vorgestellt. Die Arbeitsgruppe wurde durch Verein Denk mal an Berlin e.V. ins Leben gerufen, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit durch Pressetermine oder besondere Veranstaltung auf bestimmte Denkmale bzw. aktuelle Themen der Denkmalpflege zu lenken. „Das Besondere Denkmal“ im Januar war die Martin-Luther-Gedächtniskirche in Berlin-Mariendorf. Unsere Referenten hatten bisherige Ergebnisse der Arbeitsgruppe erläutern

Exkursion "Ausgewählte Denkmale der Stadt Cottbus" 25.04.2008

Die Exkursion fand in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Denkmalpflege der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus statt.
Während der Exkursion wurden uns ausgewählte Bau- und Kulturdenkmale der Stadt Cottbus von ausgewiesenen Experten vorgestellt. Nach einem einführenden Stadtrundgang hatten wir das Dieselkraftwerk Cottbus besucht. Dieser Industriebau der 1920er Jahre wird derzeit umgebaut und zukünftig die Brandenburgische Kunstsammlung beherbergen. Nach dem anschließenden gemeinsamen Mittagessen im Restaurant „Schiller“ lernten wir das beeindruckende, im Jugendstil errichtete Staatstheater Cottbus auch hinter den Kulissen kennen. Die letzte Station unserer Exkursion war der Besuch der rund 150 Jahre alten Holländerwindmühle am Stadtrand von Cottbus, welche sich durch die nahezu vollständig erhaltene Mühlentechnik auszeichnet und heute als Wohnhaus genutzt wird. Dort konnten wir den Tag mit Kaffee und Kuchen ausklingen lassen.

Führung Das Rundfunkzentrum in der Nalepastraße“ 22.04.2008

Das Rundfunkzentrum in der Nalepastraße, ein Ensemble bestehend aus Funkhaus, Studiogebäude, Nebengebäude und Werksgarten, wurde 1951 bis 1956 nach den Plänen von Franz Ehrlich und Gerhard Probst errichtet. Es war der Rundfunkstandort des sowjetischen Sektors. Alle überregionalen Radiosender der ehemaligen DDR sendeten von hier. 2006 wurde das Ensemble von der Keshet Geschäftsführungs GmbH & Co Rundfunk-Zentrum Berlin KG erworben. Nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten werden nun Konzepte für die zukünftige Nutzung entwickelt.

Führung „Das Haus Am Rupenhorn“ 22.02.2008

Das 1928 bis 1929 errichtete Haus Am Rupenhorn ist eines der herausragenden Bauwerke der Klassischen Moderne in Berlin. Der Baukörper ist strikt kubisch als Stahlskelettkonstruktion ausgeführt, während die Auffahrten und Terrassen schwingende Formen aufweisen. Das Wohngeschoss öffnet sich mit einer großen Fensterfront in den Garten. 1997 erwarben Frau Dr. Kliemke und ihr Mann das Haus und ließen es vorbildlich restaurieren. Hierfür wurden sie 2000 mit der Ferdinand-von-Quast-Medaille ausgezeichnet, dem Berliner Denkmalpflegepreis.
Die Führung wurde von Frau Dr. Kliemke, Stadt- und Regionalplanerin, und Herrn Dr. Schmidt, Landesdenkmalamt Berlin, geleitet.

Da das Haus musealen Zwecken dient, wird der Eintritt dem Enthalt und der Nutzung des Gebäudes gespendet.

Denk mal-Stammtisch „Archäologie in Berlin: Gestern, Heute, Morgen“ 29.01.2008

Als Rednerin konnten wir Frau Dr. Wagner, Leiterin der Abteilung Archäologie des Landesdenkmalamtes Berlin, gewinnen. Sie hat ein paar einleitende Worte zu den vergangenen, aktuellen und zukünftigen Ausgrabungen in Berlin gesprochen und somit das Thema des Tages des offenen Denkmals 2008 aufgegriffen. Im Anschluss hatten wir Gelegenheit, uns bei einem Glas Wein und einem kleinen Snack mit Frau Dr. Wagner zu unterhalten oder mit anderen Mitgliedern auszutauschen.

Werkstattbesuch „Bildhauerei und Restaurierung“ 15.01.2008

Der Bildhauer Hans Starcke führte zusammen mit Herrn Pietzsch, ehemaliger Mitarbeiter der Unteren Denkmalschutzbehörde, durch seine Werkstatt in Spandau und erläuterte die Materialien, Werkzeuge und Arbeitsweise eines Bildhauers. Außerdem stellte Herr Starcke uns seine aktuellen Projekte vor, u. a. Reliefs des Denkmals für den Begründer der modernen Agrarwissenschaften, Albrecht Daniel Thaer, das für den Schinkelplatz geschaffen wurde und demnächst seinen ursprünglichen Platz wieder einnehmen wird.

useful tools: Druckansicht Seite weiterempfehlen