Vorweihnachtliches Treffen

Am Mittwoch, den 04.12.2019, begrüßten wir unsere Mitglieder und Gäste in der Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche zu unserem vorweihnachtlichen Treffen. Der Küster der Kirche, Herr Krüger, gab uns eine historische Einführung zu diesem besonderen Bauwerk, welches durchaus als Antwort auf den Arbeiteraufstand von 1953 angesehen werden kann. Dem folgten bezaubernde Orgelklänge, dargeboten vom ehemaligen Pfarrer Herrn Diening.

 

Der Höhepunkt des Abends war das Gespräch der beiden Landeskonservatoren Dr. Christoph Rauhut, Berlin, und Professor Dr. Thomas Drachenberg, Brandenburg. Unsere Vorstandsvorsitzende, Frau Dr. Ziemer, entlockte den beiden Herren so manches interessante Detail ihrer nicht immer einfachen Arbeit. Der Abend klang dann gemütlich bei Wein, Brezeln und angeregten Gesprächen aus.

 

Historische Einführung durch Küster Ernst W. Krüger (Foto: Heike Schlasse)
Gespräch der Landeskonservatoren von Berlin (Dr. Christoph Rauhut) und Brandenburg (Prof. Dr. Thomas Drachenberg) unter Moderation der Vereinsvorsitzendin von Denk mal an Berlin e.V. (Dr. Elisabeth Ziemer)
Einzigartiger Generationentreff bei Denk mal an Berlin e.V.: Prof. Dr. Jörg Haspel, Berliner Landeskonservator a.D., Dr. Christoph Rauhut, sein Nachfolger. Dr. Peter Goralczyk, letzter Generalkonservator der DDR, Prof. Dr. Thomas Drachenberg, Landeskonservator von Brandenburg, Dr. Elisabeth Ziemer, Vorstandsvorsitzende von Denk mal an Berlin e.V. und Dr. Klaus-Henning von Krosigk, Gartendenkmalpfleger und stellv. Berliner Landeskonservator a.D. in der Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche im Tiergarten (Foto: Heike Schlasse)
Ausklingen des Abends bei Brezeln, Wein und Sekt (Foto: Heike Schlasse)

Das Hirschberger Tal in Schlesien – Eine Fachexkursion mit Denk mal an Berlin e.V.

Unsere Reise begann am frühen Morgen des 31. Oktober, außerhalb Berlins als Reformationstag gefeiert. Im sächsischen Bad Muskau, unserem ersten Ziel, besichtigten wir die aktuelle Ananas-Ausstellung und spazierten unter sachkundiger Führung von Herrn Dr. von Krosigk durch den weitläufigen Muskauer Park, der seit 2004 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Am Abend erreichten wir das Lomnitzer Schloss, wenige Kilometer südwestlich von Hirschberg (Jelenia Góra) in Schlesien gelegen. Die Unterbringung im zauberhaft eingerichteten Witwenschloss war phänomenal, auch die Verköstigung durch das freundliche Team von Frau von Küster war großartig.

Die nächsten Tage waren ausgefüllt mit wunderbaren Rundgängen vor Ort und Touren durch das Hirschberger Tal: Auf einer Schlösserrundfahrt mit Stationen in Schildau, Fischbach und Erdmannsdorf erkundeten wir am Freitag zunächst die näher gelegenen Orte. Am nächsten Tag besichtigen wir das Benediktinerinnen-Kloster in Grüssau, das Schloss Fürstenstein der legendären Fürstin Daisy und in die Evangelische Friedenskirche von Schweidnitz, die als weltweit größte Holzfachkirche ebenfalls zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Vor der Abreise am Sonntag konnten wir noch das Gerhart-Hauptmann-Museum in seinem Wohnaus Wiesenstein (Agnetendorf) und das Residenzschloss der Grafen Schaffgotsch in Bad Warmbrunn (heute zur Universität Breslau gehörend) besuchen.

Es waren eindrückliche, schöne Tage im romantischen Tal der Schlösser und Parks, die alle Mitreisenden in wohliger Erinnerung behalten werden!

Wir danken Herrn Dr. von Krosigk für die engagierte Reiseleitung, Frau von Küster und Ihrem Team für die wunderbare Versorgung und Frau Skórzecka für die fachkundige Begleitung.

 

Weltkulturerbe Muskauer Park mit Schloss
Eine der zahlreichen Terrassen des Schlosses Fürstenstein
Detail der Kanzel in der prächtigen Fachwerkkirche von Schweidnitz, UNESCO-Weltkulturerbe
Vor dem Lomnitzer Schloss, das seit Kurzem auch ein Museum beherbergt (alle Fotos: Heike Schlasse)

Führung durch das Kammergericht am 24.10.2019

 

Richter Thomas Heymann, Pressesprecher und zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Kammergerichts, begrüßte uns im repräsentativen Foyer und erzählte uns zunächst von der Geschichte des Gerichts und den einzelnen Zeitabschnitten, die es durchlaufen hatte.

In einem Verhandlungsraum gab uns Herr Heymann auch Einblicke in den Ablauf und die Funktionsweise einer Verhandlung. Zudem verwies er auf die Nutzung des Gerichts durch die Alliierten, die es zu einem der strategisch wichtigsten Punkte in ganz Berlin machten, so wurden hier der Alliierte Kontrollrat oder die Alliierte Luftsicherheitszentrale eingerichtet.

Als letztes zeigte er uns den großen Plenarsaal, der heute nur noch vom Verfassungsgericht genutzt wird. Hier fanden die von Roland Freisler geleiteten Schauprozesse gegen die Beteiligten des Attentats vom 20. Juli 1944 statt. Nachdem uns Herr Heymann Ausschnitte der Prozesse zeigte, wurde auch klar, warum dieser Raum mehr zur Mahnung als zur Nutzung dient.

Im prächtigen Foyer des Kammergerichtes, © Heike Schlasse

Besuch im Schloss auf der Pfaueninsel am 27. September 2019

Es war ein regnerischer Tag, als Max Daiber uns durch das Schloss auf der Pfaueninsel führte. Der Architekt ist als Projektleiter bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten zuständig für die Sanierung der romantischen Residenz. König Friedrich Wilhelm II. ließ 1794 für sich und seine Geliebte Wilhelmine Encke das ländliche Lustschloss errichten. Der ausnehmend gute Geschmack der späteren Gräfin Liebenau ist bis heute erkennbar, die Originalausstattung ist weitgehend erhalten. Und so wollen auch Herr Daiber und sein Team vielmehr konservieren, als restaurieren. Besonders hervorzuheben ist der mit Holz ausgestatte Speisesaal, welcher sehr elegant und wohlig wirkt. Ebenfalls auffallend war, dass von Raum zu Raum Böden, Wände und Spiegel immer anmutiger und prachtvoller wurden. Am Schluss kam sogar die Sonne raus, sodass wir Schloss und Insel noch einmal in voller Pracht betrachten konnten.

© SPSG / Elvira Kühn
© SPSG / Elvira Kühn
© SPSG / Elvira Kühn
© Heike Schlasse

Das Hirschberger Tal in Schlesien - Vortrag von Dr. von Krosigk am 18. September 2019

Dr. von Krosigk entführte die Gäste des Abends in das berühmte Hirschberger Tal, an die „Grenzen des Reiches“, wie Goethe einst befand. Mit seinen weiten Ebenen und den sanften Höhenzügen des Riesengebirges war das Hirschberger Tal, welches ab 1742 zu Preußen gehörte, zunächst eine beliebte Ausflugs- und Kurgegend. Die Hohenzollern wählten die idyllische Gegend zur Errichtung von Landsitzen aus, andere Fürstenhäusern folgten dem königlichen Beispiel. Die reiche Schlösser- und Gärtenlandschaft machte das Hirschberger Tal zu einer Kulturlandschaft ersten Ranges.

Der kenntnis- wie anekdotenreichen Vortrag war die perfekte Einstimmung auf unsere viertägige Tour durch das Hirschberger Tal ab 31. Oktober.

Das restaurierte Schloss Lomnitz mit Pleasureground. (Foto: Hotel Lomnitz)
Dr. Klaus-Henning von Krosigk erläutert die Geschichte und Einzeigartigkeit des Hirschberger Tals. (Foto: Heike Schlasse)

Führung durch die Ausstellung "Emil Nolde - Eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus"

Die Nationalgalerie zeigt im Hamburger Bahnhof aktuell die Aufarbeitung des Mythos "Emil Nolde - Eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus" in einer vieldiskutierten Ausstellung. Hier werden neueste Forschungsergebnisse aufbereitet, die offenlegen, wie Nolde, überzeugter Antisemit und Anhänger des NS-Regimes, nach dem Krieg perfide eine Legende um sich selbst schuf, die ihn als Opfer des Regimes darstellt und dabei in den Vordergrund rückt, dass seine Werke als "Entartete Kunst" ausgestellt wurden. Geschickt verschwiegen hat er dabei nicht nur, dass es ihm durch den Kontakt zu führenden Köpfen des nationalsozialistischen Deutschlands gelang, wieder aus der Ausstellung "Entarteter Kunst" entfernt zu werden, und er so zum "entarteten Entarteten" (Adolf Behne 1947 über Nolde) wurde.

Exklusiv für seine Mitglieder richtete Denk mal an Berlin e. V. am 27. August 2019 eine Führung durch die Kunsthistorikerin und Kuratorin der Ausstellung Aya Soika ein, die den interessierten Fragen und Diskussionen des Vereins nicht mit den Kenntnissen aus der Ausstellung, sondern auch aus der intensiven Forschungsarbeit zu Nolde entgegentrat.

Link zur Ausstellung auf der Webseite der Staatlichen Museen zu Berlin:

www.smb.museum/ausstellungen/detail/emil-nolde-eine-deutsche-legende-der-kuenstler-im-nationalsozialismus.html

Heike Schlasse (Geschäftsführerin von Denk mal an Berlin e. V.) begrüßt und stellt Aya Soika (Kuratorin der Ausstellung) vor. © Tim B. Boroewitsch
Vor dem Gemälde "Verlorenes Paradies" (1921). © Tim B. Boroewitsch
Im Raum der Ausstellung, in dem mit Leihgaben internationaler Museen die ursprüngliche Hängung der Bilder in der Nationalgalerie aus Noldes Lebzeiten rekonstruiert ist. © Tim B. Boroewitsch
Lebhafte Diskussion im nachempfundenen Seebüller Bildersaal, den Nolde 1941/42 in seinem Wohn- und Atelierhaus bestückte. © Tim B. Boroewitsch
Heike Schlasse dankt Aya Soika für die Führung und verweist vor dem Gemälde "Der Brecher", das nach 13 Jahren bei großer gesellschaftlicher Diskussion aus dem Büro der Bundeskanzlerin abgehängt wurde, auf kommende Veranstaltungen. © Tim B. Boroewitsch

Führung durch die Elektropolis in Schöneweide

Am 16. August 2019 ermöglichte Denk mal an Berlin e. V. seinen Mitgliedern eine Führung durch Europas größtes unter Denkmalschutz stehendes Industrieareal, die Elektropolis in Schöneweide. Der Hauptstandort der AEG und weiterer Firmen von Weltrang wurde zum Zentrum der deutschen Elektroindustrie und präsentiert sich mit seinen markanten gelben Backsteinen in zahllosen Baudenkmälern.

 

Volker Ellingshausen vom Industriesalon Schöneweide e. V., der es sich zur Aufgabe gemacht hat, „die bedeutende Industriekultur von Schöneweide vor Ort sichtbar zu machen und den Standort damit langfristig zu stärken“ (Website Industriesalon), führte uns vom Ausstellungsraum des Vereins, der ehemaligen Vorwerkstatt des Transformatorenwerks Oberschöneweide, durch das Areal. Vorbei an den Reinbeckhallen, die ihre industrielle Funktion gegen Ateliers und Ausstellungsräume tauschten, der Spree, dem sog. „Platz am Kaisersteg“ und dem erhaltenen Laufkran führte die Wilhelminenhofstraße, nördliche Begrenzung der Industriebauten der Elektropolis und Lebensader Oberschöneweides, in das älteste Drehstromkraftwerk Europas und zum Campus der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW). Dieser Hochschule gelang die Wiederbelebung eines Areals, das innerhalb weniger Jahre nach der Wende von 24.000 auf 2.500 Arbeitsplätze schrumpfte. Den abschließenden Höhepunkt fand die Exkursion mit dem Erklimmen des Turmes im Peter-Pehrens-Bau, der ein Panorama über die Elektropolis, Berlin und Brandenburg bot. Peter Behrens als „Künstlerischer Beirat“ der AEG schuf neben dem ikonischen AEG-Logo auch die großen Fabrik- und Verwaltungsbauten des Konzerns, darunter die Turbinenhalle in Moabit (1909) und die als Behrensbau bekannte Autofabrik in der Elektropolis (1917).

 

Wir danken Herrn Ellingshausen und dem Industriesalon Schöneweide e. V. für den Einblick in die Industriedenkmäler. Website: www.industriesalon.de

 

Blick vom Turm des Behrensbaus über die Elektropolis in Schöneweide. © Tim B. Boroewitsch
Die Gruppe vor den Reinbeckhallen. © Tim B. Boroewitsch
Volker Ellingshausen stellt den sogenannten "Platz am Kaisersteg" vor. © Tim B. Boroewitsch
Auf dem Campus der Hochschule für Technik und Wirtschaft. © Tim B. Boroewitsch
In der großen Halle im Behrensbau. © Tim B. Boroewitsch
Beim Aufstieg im Turm des Behrensbaus. © Tim B. Boroewitsch
Diskussion auf dem Behrensbau. © Tim B. Boroewitsch

Außen historisch, innen modern – Besuch des Brandenburgischen Landtages in Potsdam am 20. März 2019

Noch goldener als sonst strahlte die Fortuna auf dem Eingangsportal an diesem ersten Frühlingstag, als Mitglieder von Denk mal an Berlin e.V. den Brandenburgischen Landtag in Potsdam besichtigten.

 

Von außen gleicht er dem Schloss, dessen Ruine in den 1950er Jahren gesprengt wurde, allerdings nur fast. Denn das moderne Innere, die gelebte Demokratie Brandenburgs, benötigt mehr Platz, als die historische Kubatur bot. Deshalb verlegte der Architekt Professor Peter Kulka die inneren Fassaden etwas in Richtung des immer noch prachtvollen, großzügigen Innenhofes und setzte, von außen fast nicht erkennbar, ein zusätzliches Geschoss in die Dachebene.

 

Viele Jahre stritt sich das nur knapp 100 Abgeordnete zählende Parlament des flächenmäßig größten der Neuen Bundesländer über sein Parlamentsgebäude. Den Ausschlag für den Neubau gab die 20 Millionen Euro Spende des SAP-Gründers Hasso Plattner für die Wiederherstellung der historischen Fassaden des Potsdamer Stadtschlosses. Vor fünf Jahren, im Januar 2014, wurde der Landtag mit der ersten Plenarsitzung eingeweiht.

 

Herr Woche, Besucherführer des Landtages, bot auf seiner Führung nicht nur eine Fülle historischer Details, sondern auch viel Wissenswertes über die konsequent moderne Innengestaltung des faszinierenden Gebäudes. Zum Abschluss der Führung dürften die Mitglieder von Denk mal an Berlin e.V. im Plenarsaal Platz nehmen, der ebenfalls betont schlicht und in den Landesfarben weiß-rot gehalten ist. Im Anschluss an die Führung bot sich die Gelegenheit, die interessante Ausstellung über die „Schlösserlandschaften in der deutsch-polnischen Grenzregion“ im Foyer des Landtages anzuschauen, die in Kooperation der drei östlichen Bundesländer Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg mit dem polnischen Kulturministerium sowie dem Nationalen Institut für kulturelles Erbe in Polen entstand.

 

Brandenburgischer Landtag in Potsdam, Innenhof
Modernes Entree mit griechischem Marmor und historischen Atlanten
Rotes Mobiliar in weißen Innenräumen - eine Hommage an die Landesfarben Brandenburgs
Der Plenarsaal des brandenburgischen Landtages fasst zur Zeit 88 Abgeordnete
Wanderausstellung zu Schlössern und Herrenhäusern in Brandenburg und den angrenzenden Bundesländern und Woiwodschaften

Schlossterrasse und Gartenanlagen am Berliner Schloss - Vortrag von Dr. Klaus-Henning von Krosigk am 27. Februar 2019

Die Auftaktveranstaltung unserer neuen Vortragsreihe war ein voller Erfolg! Mehr als 100 Personen, weit mehr, als unsere Geschäftsstelle fassen kann, wollten Dr. von Krosigks Ausführungen zur königlichen Schlossterrasse und weiteren Gartenanlagen am Berliner Schloss lauschen. Um so glücklicher waren wir, mit dem Louise-Schroeder-Saal des Roten Rathauses einen mehr als würdigen Ersatz gefunden zu haben.

 

Dr. von Krosigk fasste die 500jährige Geschichte der Freiflächen und Gartenanlagen rund um das 1950 gesprengte Berliner Schloss zusammen und erläuterte anekdotenreich die Entwicklung der heute zu Unrecht vergessenen gartenkünstlerischen Flächen: Von einem ersten Gärtchen an der Spree in der Zeit der Renaissance, über den berühmten Lustgarten zur Zeit des Großen Kurfürsten, aber auch die dem privaten Gebrauch der Hohenzollern vorbehaltene kleine Gartenanlage unmittelbar an der Spree.

 

Einen besonderen Fokus legte Dr. von Krosigk auf die von Lenné gestaltete Schlossterrasse zum Lustgarten hin, die ein kunstvoller mit Buchsrabatten umsäumter Pavement verzierte und deren zwei berühmte Rossebändiger ein würdiges Pendant zu den gegenüberliegenden Skulpturen des Löwenkämpfers und der Amazone zu Pferde des Alten Museums darstellten.

Wir danken Herrn Dr. von Krosigk für diesen gelungenen, erhellenden Abend!

Das Berliner Schloss in einer historischen Ansicht
Dr. von Krosigk bei seinen Ausführungen zum Berliner Schloss, Foto: Thomas Knoll
Die berühmten Rossebändiger befinden sich heute im Schöneberger Kleistpark

Von Streamlinern und Lieblingsorten - Künstlerführung mit Jean Molitor im Willy-Brandt-Haus am 20. Februar 2019

Jean Molitor, Berliner Fotograf, ist ein Archivar der Moderne, auch wenn er sich selbst nicht so bezeichnen würde. Seit mittlerweile 10 Jahren reist der Künstler auf der Suche nach Zeugnissen des „Neuen Bauens“ um die ganze Welt. Von seiner spannenden Recherche berichtet er den Mitgliedern von Denk mal an Berlin e.V. in einer persönlichen Führung. So offenbart sich ein im Internet gefundener Dachabschluss vor Ort plötzlich als fantastischer Streamline-Bau. Manchmal lässt sich ein Gebäude erst nach stundenlangen Spaziergängen finden, oft in zweiter Reihe oder von Grünanlagen überwuchert. Molitor erzählt auch von beherzten Gängen in bewachte Wohnsiedlungen, von Gesprächen mit Anwohnern, die oft nichts von der Berühmtheit ihrer Häuser ahnen, von Ruinen, deren einstige Schönheit längst verblasst ist und von traumschönen Bauten, die heute nicht mehr stehen. Mit seinen ästhetischen Arbeiten setzt Molitor der Moderne ein sehr eindrückliches Denkmal.


Denk mal an Berlin e.V. bedankt sich bei Jean Molitor und dem Freundeskreis des Willy-Brandt-Hauses für diese herzliche, persönliche Führung!


Die Ausstellung bau1haus mit Fotografien von Jean Molitors ist noch bis Mitte März 2019 im Willy-Brandt-Haus zu sehen (Wilhelmstraße 140, 10963 Berlin, Eintritt kostenfrei, Ausweis nötig). Die Finissage findet am 14. März 2019 um 18:00 Uhr statt, der Künstler ist anwesend.

Ausstellung bau1haus, © Holger Biermann, Willy-Brandt-Haus, Berlin, 2019
Eröffnung der Ausstellung bau1haus: Klaus Wettig (MdEP i.R., Gründungsgeschäftsführer Freundeskreis Willy-Brandt-Haus), Gisela Kayser (Geschäftsführung und künstlerische Leitung), Jean Molitor, Kaija Voss (Architekturhistorikerin), © Holger Biermann, Willy-Brandt-Haus, Berlin, 2019
Jean Molitor bei der Führung der Mitglieder von Denk mal an Berlin e.V. am 20. Februar 2019, © Schlasse
Mitglieder von Denk mal an Berlin e.V. bei der Künstlerführung, © Schlasse

Ein Stadtspaziergang durch die Wohnsiedlungen der Moderne in Reinickendorf

Wie unterschiedlich Wohnungsbau im 20. Jahrhundert sein kann, beweisen die Siedlungen der Moderne in Reinickendorf. Herr Schütter, ausgewiesener Experte der Unteren Denkmalschutzbehörde Reinickendorf, führte uns auf einen lebendigen Stadtspaziergang am Freitag, den 1. Februar.

 

Wir starteten in den 1960er Jahren, der experimentelle Städtebau findet in der von Lichtfuß und Schild für die Gagfah errichteten Siedlung entlang der Holländerstraße seinen Ausdruck: Mit über 1.000 Wohnungen in gemischten Haustypen, deren lockere Bebauung sich mit großzügigen Grünflächen abwechselt, zählt das Quartier zu den bedeutendsten Aufbaumaßnahmen des zweiten Demonstrativbauvorhabens Berlins.

 

Nur einen Katzensprung entfernt liegt die „Weiße Stadt“, zwischen 1928 und 1931 von Ahrends, Büning und Salvisberg für die Heimstättengesellschaft Primus erbaut. Seit 2008 ist die markante Siedlung eine von sechs Wohnsiedlungen der Berliner Moderne auf der UNESCO-Welterbeliste. Wir dürften nicht nur die farbenfroh gestalteten Hausflure mit ihren bauzeitlichen runden Fenstern und Laubengängen besichtigen, sondern auch einen kurzen Zwischenstopp auf der sonst nicht zugänglichen Sonnenterasse einlegen. Zwar hielt sich die Sonne etwas bedeckt, aber die Aussicht war trotzdem phänomenal.

 

Den Minusgraden trotzend ging es weiter zur Siedlung Paddenpuhl, deren expressionistische Gestaltung und Farbgebung uns erstaunen ließ. In zwei Bauabschnitten wurden hier über 500 Wohnungen zwischen 1927 und 1937 von Beyer, Scherer und Dieckmann für die Primus-Heimstättengesellschaft errichtet.

 

Unsere Tour, die nebenbei auch am Dorfanger Alt-Reinickendorf, dem ehemaligen Rathaus, der Schwartzkopffschen Schraubenfabrik und der Kriegsgedenkstätte vorbeiführte, endete in der Klemkestraße, wo wir uns bei Kaffee und Kuchen aufwärmten.

 

Wir danken Herrn Schütter für diesen erstklassigen Stadtspaziergang!

 

© Denk mal an Berlin e.V.
© Denk mal an Berlin e.V.
© Denk mal an Berlin e.V.
© Denk mal an Berlin e.V.
© Denk mal an Berlin e.V.

Druckfrisch aus Tempelhof!

Noch heute erinnert das markante Ullsteinhaus an die Bedeutung Berlins als Zeitungsstadt. Es entstand 1925 bis 1927 nach Plänen Eugen Schmohls als selbstbewusste Firmenrepräsentanz und Druckhaus der Verlegerfamilie.

 

Philipp Holt vom Tempelhof Museum begrüßte uns am Sonntag, 20. Januar, bei strahlendem Sonnenschein und eisigen Temperaturen am Ullsteinhaus und erklärte uns architektonische und historische Besonderheiten. Die berühmte Eule zum Beispiel, bis heute das Wahrzeichen des Verlags, entwarf der Künstler Fritz Klimsch. Und die expressionistische Fassadengestaltung mit dem Fassadenschmuck von Wilhelm Gerstel lässt zunächst nicht vermuten, dass das hochaufragende Gebäude seinerzeit der größte Stahlskelettbau Deutschlands mit enorm hohen Deckenlasten für die Druckmaschinen war.

 

Im Anschluss an die architektonische Führung führte uns Herr Holt durch die von ihm kuratierte Ausstellung „Druckfrisch aus Tempelhof!“, die das Bauwerk aus einer arbeits- und sozialhistorischen Perspektive heraus betrachtet. Tausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter identifizierten als „Ullsteiner“, das Gebäude des Ullsteinhauses war weit mehr als ein Produktionsstandort. Die Ausführungen zur wechselvollen Geschichte des Hauses, der Belegschaft und der Unternehmerfamilie Ullstein von den 1920er Jahren bis heute hat den mehr als 30 Teilnehmern dieses Sonntagsspaziergangs sehr gut gefallen.

 

Wir danken Herrn Holt für die interessante und lehrreiche Führung!

 

„Druckfrisch aus Tempelhof!“ – Ausstellung noch bis 30.06.2019 im Tempelhof Museum, Alt-Mariendorf 43, 12107 Berlin, Eintritt frei (Öffnungszeiten Mo bis Donnerstag 10 – 18 Uhr, Freitag 10 – 14 Uhr, Sonntag 11 – 15 Uhr, öffentliche Führungen jeweils am 1. Sonntag im Monat um 11 Uhr)

 

© Dirk Ingo Franke
© Denk mal an Berlin e.V.
© Denk mal an Berlin e.V.
© Denk mal an Berlin e.V.

Führung durch „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“ im Gropius-Bau

Das neue Jahr startete für uns prähistorisch. In einer über zweistündigen Kuratorenführung führte uns Frau Kuprella durch die Archäologieausstellung im Gropius-Bau und zeigte und erklärte uns beeindruckende Exponate.
Wir wurden durch verschiedene Zeitalter und Kulturen geführt, erfuhren wie klein und doch wirksam die Schritte zur Entwicklungen einer fähigen Zivilisation waren. Menschen bewegten sich, auch früher schon, durch ganz Europa, sei es aus Handelsgründen oder aus Flucht. Der Beginn der Globalisierung findet hier seine Erklärungsansätze: Mandeln aus Ägypten, Weine aus Frankreich oder Italien, Metalle, Salben oder Keramik kamen auf Kähnen den Rhein herauf und erweiterten so den Markt. All dies konnte aus den Inschriften gefundener Amphoren und aus Bodenfunden entnommen werden. Die Funde aus den 16 Bundesländern sind nicht chronologisch aufgebaut. Thematisch nach den vier Schwerpunkten Migration, Austausch, Konflikt und Innovation gegliedert, wurde uns so die Frühgeschichte Europas nahe gebracht.

 

Wir danken Frau Kuprella für diese ausführliche und spannende Führung.

 

 

© Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Vor- und Frühgeschichte / David von Becker
© Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Vor- und Frühgeschichte / David von Becker
© Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Vor- und Frühgeschichte / David von Becker

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